Waodani
nennt sich ein Stamm von Ureinwohnern im Amazonasgebiet von Ecuador; in ihrer eigenen Sprache bedeutet dieser Name “Volk”; von den Quechua werden sie bezeichnenderweise “Auca” (”wild”) genannt. Vor etwa 50 Jahren wurden sie erstmals von Missionaren erreicht.
Damals war dieser Stamm sehr agressiv - zum einen gehoerten sie einer animistischen Religion an, d.h. sie lebten in staendiger Angst vor unsichtbarer Geistern (nicht selten werden in diesen Religionen bis zu Menschenopfer gebracht in der Hoffnung, die Geister auf diese Weise zu besaenftigen). Aber auch die einzelnen Familien bzw. Doerfer untereinander waren nicht gerade friedlich, die Waorani gehoerten zu den Voelkern, die gerne von ihren Feinden Schrumpfkoepfe hergestellt haben. Und schliesslich leben diese Menschen ueberwiegend in oelhaltigen Gebieten, somit waren ihre ersten Begegnungen mit Weissen, die es auf das Oel abgesehen hatten und sie ihres Landes berauben wollten, nicht gerade erfreulich (Foto1: Landebahn bei einem Waorani-Dorf).
Fuenf Maenner von diesen ersten Missionaren - der vermutlich bekannteste von ihnen war Jim Elliot - sind von Speeren der Waodani aufgespiesst worden bei dem Versuch, Kontakt zu ihnen herzustellen, um ihnen von dem Gott erzaehlen zu koennen, vor dem sie keine Angst zu haben brauchen, sondern der sie so liebt, dass er sogar seinen eigenen Sohn fuer sie hat kreuzigen lassen. Die Frauen dieser Missionare sind unglaublicherweise mit ihren Kindern dort geblieben und haben weiterhin mit viel Geduld und Liebe daran gearbeitet, das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen (mehr ueber diese Geschichte findet sich unter http://www.hcjb.org/about_us/history/operation_auca.html).
Zusammen mit einem Team von US-amerikanischen Kurzzeitmitarbeitern hatte ich letzten Freitag die Gelegenheit, mit einer kleinen 6sitzer-Propellermaschine (Foto2) eines dieser
Doerfer zu besuchen. Heutzutage ist dies ungefaehrlich, fast alle Bewohner dieses Dorfes sind Christen und sehr friedlich. Sie leben weiterhin in ihren traditio- nellen Haeusern und ernaehren sich wie gewohnt von Wurzeln, Gemuese und Fruechten des Regen- waldes, von Huehnern, die sie halten, sowie von Tieren, die sie traditionell mit dem Speer oder Blasrohr jagen. Was sich aber geaendert hat, ist ihre Angst und Feindseeligkeit. Sie haben sich offensichtlich sehr ueber unseren Besuch gefreut und hatten riesigen Spass, wenn sie fotografiert wurden. Etwa 800 Warani gibt es in diesem Gebiet, ca. 400 von ihnen gehen in die Schule (das Durchnittsalter ist sehr viel geringer als bei uns) und haben so die Moeglichkeit, wenn sie es moechten, eines Tages auch einen Beruf ausserhalb des Regen- waldes zu ergreifen oder ihre politischen Interessen zumindest teilweise selber vertreten. Sehr dankbar sind sie natuerlich auch fuer die medizinische Hilfe - immer mal wieder werden schwer Kranke oder Verletzte mit dem Flugzeug oder Hubschrauber aus dem Regenwald geholt; Strassen fuer Fahrzeuge gibt es in diesen Gegenden nicht und die einzige Alternative, ein Krankenhaus zu erreichen, waere zu Fuss (eine sehr beschwerliche Reise von mehreren Tagen).


