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Archive for October, 2008

Essen ist schoen (II)

Tuesday, October 28th, 2008

und gehoert daher bei vermutlich allen Kulturen bei allen moeglichen sozialen Anlaessen dazu, egal ob freudige Ereignisse wie Geburten oder Hochzeiten gefeiert werden, oder eher traurige wie z.B. Abschiede oder Beerdigungen. Angesichts meines persoenlichen bevorstehenden Abschieds von Curahuasi und dem Diospi Suyana-Krankenhaus mache ich seit vergangener Woche geradezu einen Marathon an Essenseinladungen durch, nicht fehlen konnte dabei natuerlich auch eine Einladung zum “Cuy” (Meerschweinchen) - das in diesem Fall tatsaechlich sehr lecker zubereitet war, so dass es mich keine grosse Muehe gekostet hat, es zu verspeisen. Allerdings bin aber auch gar nicht sehr traurig, dass die uebrigen Essen sich eher in einem Bereich bewegen, der meiner Ursprungskultur nahesteht.

Damit ist es also raus: meine Zeit hier und somit auch der Blog vom “Roentgen in Peru” geht mit grossen Schritten dem Ende entgegen. Meine Arbeit wird von einem einheimischen Kollegen aus Cusco weitergefuehrt (s. Beitrag “Teleradiologie”) und auch wenn meine hiesigen Kollegen hoeflicherweise immer wieder ihr Bedauern darueber ausdruecken, dass sie demnaechst ohne mich klar kommen muessen, bin ich ueberzeugt, dass auch Peruaner sehr gute Radiologie machen und der Schaden, den das Krankenhaus durch den Verlust meiner Person erleidet, sich im Rahmen haelt.

Fuer mich war es rueckblickend eine sehr erlebnisreiche Zeit (was sich hoffentlich auch in diesem Blog wiedergespiegelt hat), mit durchaus der ein oder anderen Herausforderung. Gelernt habe ich auf jeden Fall sehr viel und nicht zuletzt ein paar sehr tolle Menschen kennengelernt, die ich hoffentlich auch ueber groessere raeumliche Entfernungen nicht ganz aus den Augen verlieren werde; ich bereue es also keinen Moment, dieses Abenteuer gewagt zu haben, fuer zwei Jahre zum “Roentgen nach Peru” zu gehen. Und wer weiss, vielleicht verschlaegt es mich ja in ein paar Jahren nochmal fuer eine Zeit hierher!

Teleradiologie

Tuesday, October 28th, 2008

heisst es, wenn der Radiologe nicht vor Ort ist, wo die Roentgenuntersuchung durchgefuehrt wird, sondern an einem weiter entfernten Ort die Aufnahmen auswertet und die Befunde dem zuweisenden Kollegen zurueckschickt. Angesichts der weltweiten Verknappung nicht nur von Energiereserven und Trinkwasser, sondern auch von Radiologen, eine sehr sinnvolle Einrichtung, die nicht zuletzt auch einen erheblichen wirtschaflichen Vorteil bietet fuer das Krankenhaus, das mit diesem System arbeitet - der Experte (Radiologe) muss naemlich auf diese Weise nur fuer genau die geleistete Arbeit bezahlt werden und nicht fuer Stunden, in denen er eventuell mal Leerlauf hat. Dieses System setzt sich daher zunehmend durch; wie ich gehoert habe gibt es z.B. in den USA nicht wenige Klinken, die ihre nachts durchgefuehrten Computertomografien via Internet nach Indien verschicken, wo sie befundet und die Ergebnisse auf dem gleichen Wege zum Anforderer zurueckgeschickt werden.

Fuer unser Krankenhaus in den Anden habe ich aehnliche Ziele im Sinn; allerdings haben wir hier das Problem, dass nicht ausreichend schnelle Internetverbindungen bestehen, um die doch erheblichen Datenmengen eines Roentgenbildes oder sogar einer Computertomografie zu verschicken. Aber auch dafuer gibt es eine Loesung: unsere Aufnahmen reisen nicht durch ein Kabel, sondern im Taxi auf der Strasse, und sind auf diesem Weg auch in ca. 2 Stunden in Cusco, wo ein Radiologe innerhalb kuerzester Zeit die Befunde schreibt und diese - ebenfalls im Taxi - wieder zurueck nach Curahuasi schickt. Die Methode hat sich schon mehrfach in den letzten Monaten waehrend meiner kuerzeren Abwesenheiten bewaehrt und wird das hoffentlich auch in Zukunft weiterhin tun.

Leichen

Saturday, October 25th, 2008

kleben in letzter Zeit wieder vermehrt an der Decke und den Wänden meines Schlafzimmers, von den Stechmücken, die ich nächtens erschlage. Bekanntlich fast schlimmer als ihre Stich ist das hochfrequente Summen, mit dem sie ihren Angriffsflug untermalen und der einem ohne weiteres mehrere schlaflose Stunden bereiten kann. Dann hilft nur eines: immer wieder Licht anschalten, Decke und Wände nach den Plagegeistern absuchen und versuchen, sie zu erschlagen - was bei mitternächtlich reduzierter Feinmotorik nicht ganz einfach ist, zumal diese Biester, das scheint meine persönliche Beobachtung zu belegen, sehr schnell beschleunigen solange sie noch nüchtern sind. Vollgefressen sind sie eindeutig langsamer und somit einfacher zu kriegen, hinterlassen dann aber einen unschönen Blutfleck am Ort ihres Verscheidens; ausserdem kommt die Rache in diesen Fällen zu spät, aber ich tröste mich damit, dass wenigstens genau diese Stechmücke mich nicht nochmal anzapfen wird. Dankenswerterweise sind mir hier keine Krankheiten bekannt, die von Stechmücken übertragen würden - und zumindest für Malaria sind wir auf fast 3000 m bei weitem zu hoch.

Das vermehrte Aufkommen von Stechmücken ist aber nicht das einzige Anzeichen der einsetzenden Regenzeit - immer häufiger erleben wir die hier üblichen heftigen Regenguüse, die dafür aber wenigstens fast ausschliesslich nachts stattfinden; gestern, habe ich mir sagen lassen, hat es in Curahuasi sogar gehagelt, ein extrem seltenes Phänomen hier; auf einer Höhe von ca. 2.700m liegen wir zu tief, als dass der Hagel liegengeblieben wäre, und als ich am frühen Abend von meinem Wochenendausflug nach Cusco heimgekommen bin, war davon schon nichts mehr zu sehen.

Essen ist schoen

Wednesday, October 8th, 2008

darueber sind sich wahrscheinlich die Mehrheit aller Lebewesen einig. Dass weniger manchmal mehr ist, diese Erkenntnis hat sich vor allem in den Ueberflussregionen der Welt durchgesetzt, gemeinsam mit dem Schoenheitsideal des Schlankseins, das als solches in Hungergebieten kaum bekannt ist. Waehrend also in der “1. Welt” eine ganze Industrie davon lebt, Nahrungmittel herzustellen, die man essen kann, ohne wirklich etwas zu sich zu nehmen (es wird selbst nach meiner etwas veralteten Erfahrung zunehmend schwieriger, in den Kuehlregalen der Supermaerkte “Nicht-Light”-Produkte zu finden) - ist die Situation hier in Peru, zumindest in der armen Bergregion, noch eine andere, es heisst eher “zugreifen, solange es noch etwas gibt”.

In bestimmten Situationen ist allerdings auch hier ist der voruebergehende Verzicht auf Nahrung medizinisch indiziert, so zum Beispiel vor einer Magenspiegelung - der Arzt moechte sich schliesslich mit seinem Endoskop gerne die Magenwand anschauen und nicht die Reste der vorangegangenen Mahlzeit. Eine Patientin, die sich zur Vorbereitung auf eine solche Untersuchung stationaer befand, war natuerlich offiziell auf Karenz gesetzt; im Anschluss an den gescheiterten Versuch einer Magenspiegelung mussten ihre Verwandten dann zerknirscht zugeben, dass sie ihr doch heimlich etwas zugesteckt hatten - man kann sich hier einfach schlecht vorstellen, dass es fuer einen bereits kranken Menschen gut sein soll, wenn er nicht wenigstens zu Essen bekommt.

Ein aehliches Erlebnis hatte eine unserer Krankenschwestern neulich, als sie frueh morgens einen Patienten aufnahm, der natuerlich nuechtern zu seiner Operation am selben Tag einbestellt war. Auf die Routinefrage, ob er etwas gegessen habe - auf die natuerlich die Antwort “Nein” erfolgen sollte - gab dieser Herr zu, ja, er habe gefruehstueck. Warum denn das, wollte die Schwester wissen. Er habe gehoert, antwortete er darauf, in unserem Krankenhaus bekaemen die Patienten haeufiger mal nichts zu essen, da habe er wenigstens vor seinem Eintritt nochmal richtig fruehstuecken wollen…