home

Archive for August, 2008

Koffer-Hoffer

Sunday, August 31st, 2008

waren wir vor einigen Tagen, und die Hoffnung glücklicherweise ist nicht enttäuscht worden. Ich war mal wieder in Lima, in erster Linie, um neue Mitarbeiter abzuholen und mit ihnen die Einreiseformalitäten zu erledigen, aber auch, um nebenher noch diverse Einkaufe und Ämterbesuche für das Krankenhaus zu tätigen. Unter den insgesamt sieben Neuankömmlingen waren auch Daniel, unser zukünftiger Chirurg und seine Frau Melanie, ihres Zeichens Internistin mit viel Ultraschall-Erfahrung, und ihre zwei Kindern im Alter von 11 Monaten und 3 Jahren. Leider ist dieser Familie gleich in den ersten Minuten nach ihrer Ankunft ihr Notebook abhanden gekommen: kaum waren sie, nach der langen Reise müde und natürlich etwas unorientiert an dem fremden Flughafen, aus dem Ankunftsbereich herausgekommen, haben sich schon zwei sehr hilfsbereite Herren in Uniform ihrer angenommen, und waren ihnen mit ihren ca. 160kg Gepäck behilflich; sie haben unseren Kollegen erklärt, dass es unumgänglich wäre, das Gepäck auf andere Wagen umzuladen, ausserdem müsste sich der ganze Trupp an das andere Ende der Wartehalle bewegen. Was sich vor allem bei dieser Transaktion wegbewegt hat, war ihr Notebook, das natürlich in einer typischen Notebook-Tasche oben auf den Gepäckwagen gelegen hatte… Glücklicherweise handelte es sich wenigstens nicht um ein neues, sondern ein mehrere Jahre altes Gerät, das nun den Besitzer gewechselt hat, und laut der ehemaligen Eigentümer, die bewundernswert entspannt geblieben sind, als sie den Verlust bemerkten, besteht der Hauptverlust in den Daten. Von diesen gäbe es aber eine Sicherungskopie in einem ihrer Koffer. Ausgerechnet dieser eine Koffer war aber derjenige, der von ihren 8 Gepäckstücken nicht angekommen war!Überhaupt kein Problem, meinten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft, er kommt auf jeden Fall in den nächsten 24 Stunden an und wird Ihnen dann gebracht.   Blieb uns also nichts als zu hoffen (und beten) -  und tatsächlich,schon zwei Tage später ist er an unserem Gästehaus abgeliefert worden, war zwar offensichtlich geöffnet worden, aber intakt und mitsamt den gesicherten Daten und noch einigen andren sehr wichtigen Inhalten, wie dem Lieblingsbilderbuch der 3jährigen Elisa.                           Mittlerweile haben sie Ersatz für das „verlorene“ Notebook erstanden, das im Vergleich zu seinem etwas veralteten Vorgänger einige attraktive neue Features bietet, wie eine eingebaute Kamera und ein CD-Schreib-Laufwerk; es gibt auch schon heimliche Verdächtigungen, dass Daniel sein altes Notebook schnell auf dem Flughafen einem Fremden in die Hand gedrückt hat, um so die Neuanschaffung zu rechtfertigen…

Unsere Nachbarn

Sunday, August 10th, 2008

sind alles Einheimische. Es war von Anfang an so vorgesehen, dass wir ausländischen Mitarbeiter nicht ein Ghetto um das Krankenhaus herum bilden, wie das in manchen anderen Projekten der Fall ist, sondern uns ein Haus im Städtchen beziehen und uns so unter die Bevölkerung mischen. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Beitrag dazu, die Vorurteile über einander auf beiden Seiten abzubauen.                       Eine unserer direkt benachbarten Familien habe ich erstmals näher kennengelernt, als ich eines Abends schreckliches Geschrei aus ihrem Haus hörte. Es wollte nicht enden, so dass ich schliesslich hinging, um zu sehen, ob ich irgendwie helfen oder ev. auch eingreifen müsste; die Rate an familiärer Gewalt ist hier extrem hoch und immer wieder sehen wir Frauen mit blau geschlagenen Gesichtern im Krankenhaus. Valentina und ihre Tochter Mille standen, als ich ankam, weinend im Eingang, Valentina mit blutigen Kratzern im Gesicht. Ihr Mann war mal wieder betrunken von der Chakra (Acker) heimgekommen, und als Mille aus lauter Angst vor ihm ihr Abendessen nicht anrühren konnte, ist er ausgerastet und hat seine Frau angegriffen. Laut anderer Nachbarn war das absolut nicht das erste Mal (mittlerweile hatten sich einige Schaulustige versammelt), einmal hätte er sie sogar mit einem Elektrokabel gewürgt - und wahrscheinlich fast umgebracht.   Aus meiner Perspektive ist es schwer zu verstehen, warum solche Frauen sich nicht trennen; aber sich alleinerziehend in diesem Land durchzuschlagen, ohne einen Mann, der einen eventuell gegenüber Fremden beschützt, ohne Ausbildung und ohne Arbeit, ist wahrscheinlich die schlechtere Version.                                                                                           Vor ein paar Wochen konnte Valentina schliesslich einen Job im Krankenhaus bekommen: sie arbeitet vormittags auf der Station mit, teil Essen aus und sammelt hinterher die Tabletts wieder ein, hält die Stationsküche in Ordnung und erledigt sonstige Arbeiten, um die Krankenschwestern zu entlasten. Dadurch kann sie ein regelmässiges Gehalt von ca. 50 € im Monat heimbringen. Die Veränderungen, die wir seither bei der Familie beobachten konnten, sind fast unglaublich: seit langem hat man keine lauten Stimmen mehr von nebenan gehört, der anfangs sehr abweisende Mann grüsst uns nun freundlich, hat sich oft für die Stelle bedankt, die seine Frau nun hat, die Tochter bekommt nun regelmässig Mittagessen, das ihr wohl der Vater kocht! Und Valentina strahlt richtig, wenn sie in ihrer weissen Arbeitskleidung den Essenswagen durch die Flure schiebt.                                            Ehrlich gesagt hatte ich anfangs etwas Sorge gehabt, wie es sich wohl auf ihre Familienstruktur auswirken würde, wenn plötzlich die Frau mehr Geld nach Hause bringt als ihr Mann - vermutlich hätte das auch “nach hinten losgehen” können, wenn er sich in seinem Stolz gekränkt gefühlt hätte und ihr aus Rache das Leben zuhause umso schwerer gemacht hätte.  Aber offensichtlich ist es in dem Fall gut gegangen! 

Kontrastmittel

Sunday, August 10th, 2008

im Röntgen ist eine relativ strahlendichte Substanz, die dem Patienten je nach Fragestellung in die Blutgefässe gespritzt oder fast jede andere mögliche natürliche oder unnatürliche Körperöffnung appliziert wird, um bei den anschliessend angefertigten Aufnahmen eine höhere Aussagekraft zu erzielen (klingt vielleicht schlimmer als es ist, in der Regel bemerkt der Patient kaum etwas davon). Sehr häufig wird das bei Computertomographien angewandt, hier wird typischerweise eine jodhaltige Lösung in die Venen gespritzt; dabei ist es zum Teil sehr wichtig, dass die richtige Flussgeschwindigkeit für das Kontrastmittel (KM) erzielt wird und die anschliessende Untersuchung fast auf die Sekunde genau im richten Moment danach gestartet wird.                 Bislang haben wir das KM immer - nach Missionsspital-Art - von Hand gespritzt; seit wenigen Tagen ist nun aber endlich der Injektor in Betrieb, den uns die Firma Ulrich medicals - zusammen mit einem grossen Karton von zugehörigem Verbrauchsmaterial - gespendet hat (s. Foto). Da aufgrund von Personalmangel häufig nur ein einzelner Mitarbeiter am CT tätig ist, bedeutet das eine enorme Arbeitserleichterung für uns - die Zeiten, in denen ich an der Konsole im Bedienraum die Untersuchung eingestellt habe, dann dem Patienten von Hand das KM gespritzt habe und dann wieder rausgespurtet bin, um rechtzeitig die “Start”-Taste zu drücken, sind endlich vorbei. Und abgesehen davon  können wir nun einige zusätzliche relevante Untersuchungsprotokolle anwenden, die ohne so einen Injektor nicht  durchführbar sind.  Herzlichen Dank also an die Firma Ulrich medicals für ihre Unterstützung!