home

Archive for July, 2008

Personallungen

Tuesday, July 29th, 2008

sind letzte Woche geröntgt worden, ca. 40 Stück habe ich befundet. Das Team aus MTAs, Röntgengerät und Entwickler ist mittlerweile ausgezeichnet eingespielt, die Aufnahmen werden qualitativ richtig gut, und so haben meine Mitarbeiterinnen die Gelegenheit genutzt, bevor sich die erste von den dreien am vergangenen Freitag für voraussichtlich ein Jahr verabschiedet hat, und haben mit den Personaluntersuchungen begonnen: alle einheimischen Mitarbeiter müssen sich einem Lungenröntgen, einem Blut-, Urin- und Stuhltest unterziehen. Die Ausländer haben vor ihrer Ausreise normalerweise einen Tropen-tauglichkeituntersuchung hinter sich gebracht und sind daher von dieser Massnahme ausgenommen.            
Schweisstreibend war die Röntgenktion höchstens für die MTA’s beim Anfertigen der Aufnahmen - bis auf sehr wenige Ausnahmen habe ich nur Normalbefunde gesehen und mittels Textbausteinen ist so ein Befund in ca. 2 Minuten fertig. Dennoch war das eine neue Erfahrung für mich: das Befunden solcher Personaluntersuchungen ist in aller Regel Chef - oder Oberarztsache, und da ich in meiner Abteilung alle Positionen alleine besetze, ist dies nun erstmals in meiner Karriere an mir hängen geblieben. Besonders anstrengend war es, wie gesagt, nicht, aber doch etwas besonderes, sich die Herzen und Lungen von Menschen anzuschauen, mit denen man täglich zusammenarbeitet. Es gehört zu den unvermeidlichen Berufsrisiken von Radiologen - wie aller Ärzte - einen relevanten pathologischen Befund in einem frühen, noch gut therapierbaren Stadium zu übersehen und es ist natürlich immer tragisch, wenn es passiert, aber irgendwie doch nochmal etwas anderes, wenn es sich bei dem “Opfer” um einen Bekannten oder Kollegen handelt.

187

Tuesday, July 29th, 2008

Jahre seiner Unabhängigkeit von Spanischer Herrschaft wird heute, am 28.7., gefeiert; schon seit Tagen liefen die Vorbereitungen - einige Teile des Städtchens sind mit rotweissen Fähnchen geschmückt (den Nationalfarben Perus), und es gab einen “Concurso”, einen Wettbewerb: die schönste Strasse in der Stadt sollte als Gewinn asphaltiert werden! da haben sich auch meine Nachbarn ordentlich ins Zeug gelegt und viele haben ihr Häusschen gestrichen. Dabei blieb die Liebe vieler Peruaner zu bunten Farben nicht verborgen (s. Foto); manche haben aber auch einfach weisse Kalkfarbe an die Aussenwand ihres unverputzten Adobehäusschens gespritzt, was in meinen Augen nicht immer eine optische Verbesserung bewirkt - Fenster und Türen sind natürlich vor dieser Aktion nicht abgeklebt worden und entsprechend wild sieht das Ergebnis aus. Aber man hat sich redlich bemüht, und ich bin mal gespannt, wer am Ende den Preis gewinnt. Bislang ist die Strasse vor unserem Haus nur ein breiter Trampelpfad, der je nach Jahreszeit und Niederschlägen z.T. schlecht passierbar ist; wir würden es daher durchaus begrüssen, wenn sich die Mühen unserer Nachbar auszahlen würden!

Ruben

Sunday, July 20th, 2008

heisst ein 15jähriger Junge, der bis vor wenigen Tagen bei uns im Krankenhaus stationär war; so schrecklich krank war er eigentlich gar nicht, er hatte „nur“ eine relativ hässliche Verletzung – er hatte den Zeige- und Mittelfinger der linken Hand in eine Maisschälmaschine bekommen und dabei jeweils etwa die Hälfte des Endglieds und einiges an Haut verloren; ein paar Kollegen haben ihn daraufhin bei uns abgeliefert. Nach der primären Wundversorgung war er eine Nacht hospitalisiert, dann wurde er nach Hause geschickt, mit der Auflage, täglich in der nächstgelegenen „Posta“ (Krankenstation, die es in fast jedem Dorf gibt) einen Verbandswechsel machen zu lassen. „Nach Hause“ war in seinem Fall allerdings etwas schwierig – die Mutter lebt nicht mehr, der Vater ist Alkoholiker und keiner scheint so recht zu wissen, wo er sich aufhält; bislang hatte sich Ruben vermutlich alleine irgendwie durchgeschlagen. Aber es gibt wohl eine Cousine, bei der und deren Familie er angeblich bleiben konnte, dorthin wurde er also dann entlassen. Wenige Tage später stand Ruben plötzlich wieder bei uns „auf der Matte“; er war alleine gekommen und hat gefragt, ob er nicht bei uns im Krankenhaus bleiben könnte. Geld für die Rückfahrt zu dem Haus seiner Cousine hätte er sowieso nicht mehr und offensichtlich hatte sich dort auch keiner weiter für ihn interessiert, zumindest hatte seit seiner Entlassung kein einziger Verbandswechsel stattgefunden. Diese Bitte konnten wir ihm nicht abschlagen – zum einen haben wir noch weitaus genügend Betten frei, und das bisschen Essen, das er braucht, sei ihm auch gegönnt– bezahlen wird seinen Krankenhausaufenthalt vermutlich keiner -, und auf diese Weise konnten auch seine Wunden regelmässig kontrolliert werden und sichergestellt, dass sie gut verheilen.Nach schliesslich etwa zwei Wochen gab es aber letzten Freitag wirklich keinen Grund mehr, Ruben noch länger im Krankenhaus zu behalten; seine Finger waren gut abgeheilt, und er muss auch wieder in die Schule gehen; mittlerweile gab es auch einen richtig guten Platz, wo er hingehen konnte: eine unserer einheimischen Krankenschwestern hat vermittelt, dass er bei ihren Eltern in Abancay leben könnte, und wir haben ihn ermutigt, schnell die Schule fertig zu machen, einen Beruf zu lernen – z.B. Krankenpfleger – und dann zurück zu kommen und bei uns zu arbeiten. Trotzdem ist ihm der Abschied offensichtlich sehr schwer gefallen. Ich war nicht dabei, aber wie mir eine Kollegin berichtet hat, konnten sie ihn nur unter Schreien und Heulen und heftiger Gegenwehr in das Taxi setzen.

Zwillinge

Thursday, July 17th, 2008

Sind heute morgen per Kaiserschnitt im Krankenhaus entbunden Worden (s. Foto)! Es war die erste Geburt ueberhaupt bei uns – normale Geburten kann hervorragend die einheimische „Posta“ uebernehmen, bei 300-400 Stueck pro Jahr haben die Kollegen dort auch recht viel Uebung, und wir haben auch keinerlei Ehrgeiz, ihnen diese streitig zu machen. Aber wenn sich Komplikationen abzeichnen und eine chirurgische Intervention notwendig oder wahrscheinlich wird, bietet sich eine Entbindungen bei uns an, wo eben auch diese Moeglichkeiten gegeben sind.

Gluecklicherseise ist alles gut gegangen, und die drei haben zu meiner grossen Erleichterung bis heute morgen ausgehalten – ich hatte naemlich Nachtdienst und haette ungerne meine erste Geburt alleine geleitet; eines der beiden lag Fuesse voraus, das war auch der Grund fuer den geplanten Kaiserschnitt, und sie waren auch erst in der 37. Woche, aber unsere Hebamme erwaehnte beim Heimgehen gestern abend beilaeufig, dass eines der Koepfchen schon im Muttermund zu sehen waere. Naja das erste waere ja somit wenigstens „richtigrum“ rausgekommen, da haette ich dann nochmal ueben koennen fuer das zweite, das mir dann, so habe ich mir das zumindest ausgemalt, mit den Fuessen voraus entgegengekommen waere.

Namen haben die beiden natuerlich auch schon bekommen, zur unser aller grossen Freude: das Maedchen heisst „Milka Lyndall“ (nach meiner MTRA und Freundin der Familie, der Australierin Lyndall), der kleine Bub heisst „Raúl Jhon Klaus“ (natuerlich nach dem Krankenhausdirektor Klaus-Dieter John).

Unruhig

Wednesday, July 2nd, 2008

War eine unserer älteren Patientinnen neulich abends, immer wieder deutete sie auf ihren Bauch und sagte „pitschi“ (was soviel bedeutet wie „Pipi“). Mehrfach haben die Schwestern sie daraufhin ins Bad gebracht und auf die Toilette gesetzt, aber ohne Erfolg, sie konnte oder wollte dann doch kein „pitschi“ machen.

Später hat sich herausgestellt, dass es sich dabei mal wieder um ein Missverständnis gehandelt hat, das Anliegen der Patientin war ein ganz anderes; einer unserer jungen Patienten (der schon etwas länger auf Station ist und sich in allen Krankenzimmern zuhause fühlt) hat sie verstanden und Abhilfe geschaffen: bei Bauchschmerzen, und darunter leidet diese ältere Patientin, ist es hier Brauch, sich Urin auf den Bauch zu reiben; das mus gar nicht notwendigerweise der eigene sein. Der junge Mitpatient konnte die arme Frau offensichtlich nicht leiden sehen und hat, als die Schwestern den Raum verlassen hatten, in eine Flasche gepinkelt und der Patientin mit seinem Urin den Bauch eingerieben. Die hat sich gefreut, dass wenigstens einer im Krankenhaus was von Schmerztherapie versteht und ist zufrieden eingeschlafen.

Nachtschicht

Wednesday, July 2nd, 2008

gehört für uns Krankenhausmitarbeiter nun auch mit dazu, seit der Stationsbetrieb eröffnet ist. Die Ärzte trifft es nur in sehr abgemildeter Form, wir dürfen im Dienstzimmer schlafen, solange es auf Station keine Probleme gibt und kein Notfall ankommt. Das Pflegepersonal dagegen, das ist bei uns absolut Standard, hat wachzubleiben – es gibt ja auch immer wieder etwas zu tun, bei den kritischen Patienten müssen die Vitalzeichen kontrolliert werden, Infusionen angehängt werden etc.. Hier in Peru herrschen da andere Sitten, unsere einheimischen Krankenschwestern und Pflegehelfer waren ziemlich überrascht zu hören, dass sie sich tatsächlich die ganze Nacht hindurch nicht hinlegen dürfen. Eine dieser Mitarbeiterinnen hat sich offensichtlich einfach nicht glauben können, dass das mit dieser Regel tatsächlich ernst gemeint sein kann; ihre deutsche Kollegin hat sie in mehreren Nächten hintereinander schlafend angetroffen – im Stationszimmer mit dem Kopf auf der Tischplatte, aber auch in einem leeren Patientenbett und einmal sogar im Bett einer Patientin, mit einem Kopfkissen an deren Fussende zusammengerollt! Berührungsängste gehören auf jeden Fall nicht zu den typischen Eigenschaften der Leute hier…