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Archive for May, 2008

Entwicklungsland

Saturday, May 24th, 2008

nennt sich Peru und jetzt verstehe ich auch, warum: seit letzter Woche ist endlich das Röntgen in Betrieb; genau genommen bislang nur die mobile Einheit, der Röntgenraum mit Buckytisch und Wandstativ soll nächste Woche aufgebaut werden (ich bin zwar zuversichtlich, aber aufgrund mittlerweile eineinhalbjähriger Erfahrung was Termine und deren Einhaltung in diesem Land angeht, verhalten). Bis in hoffentlich etwa 4 Monaten unser digitales System in Betrieb ist, müssen allerdings die Aufnahmen noch von Hand entwickelt werden, und dafür hat sich unsere australische MTRA ein Entwicklungsgerät aus “Down Under” spenden lassen (s. Foto bei “Fllickr”). Vermutlich ist es damals mit den ersten Schiffen von Strafgefangenen dorthin exportiert worden und erlebt nun schon seinen dritten Kontinent. Ich wusste gar nicht, dass solche Antiquitäten überhaupt noch zu bekommen sind und entsprechend wissen wir dieses Gerät zu schätzen. Es steht in der Dunkelkammer, wo unter Rotlicht der belichtete Film aus der Kassette genommen wird und in den Apparat eingeführt. Seitlich am Apparat finden sich zwei Öffnungen, über welche immer wieder Entwickler - und Fixiererlösung nachgefüllt werden. Ein drittes Bad ist mit Wasser gefüllt, und durch langsames Drehen an einem Zahnrad zieht man den Röntgenfilm quasi fast vollautomatisch durch die verschiedenen Chemiebäder um etwa 1-2 Minuten später wieder ans Rotlicht zu kommen. Die Spannung ist natürlich dann sehr gross, ob die Aufnahme qualitativ verwertbar ist, die Verweildauer in den Chemikalien ausreichend, aber nicht zu lang, etc. Historisch gesehen auf jeden Fall sehr interessant und ich lade gerne alle Radiologen und MTRA’s aus meiner Leserschaft zu einer Zeitreise nach Peru ein!

Bergfest

Thursday, May 15th, 2008

hatte ich gestern: am 13.November 2006 ist mein Flugzeug in Lima gelandet, damit ist nun genau die Haelfte meines dreijaehrigen Einsatzes vorbei (drastischere Ausdruecke wie “geschafft”, “ueberstanden” oder gar “ueberlebt” wuerden sie Situation unangemessen dramatisieren). Erwartungsgemaess ist vieles anders gekommen, als wir gedacht hatten. Schon die Krankenhauseroeffnung hat sich um etwa ein halbes Jahr gegenueber der urspruenglichen Planung verzoegert, und das auch nur fuer den Beginn des Ambulanzbetriebes; die Inbetriebnahme der Stationen und vor allem der Op’s ist bis heute nicht gelungen, aber jetzt stehen wir wirklich gaaanz kurz davor. Was u.a. noch dringend zu diesem Schritt fehlt, sind funktionierende Roentgengeraete, und, siehe da, tatsaechlich sind sie zur Feier des Tages gestern nachmittag eingetroffen. Das statische Geraet steht bislang noch in Teile zerlegt und verschiedene Holzkisten verpackt im Flur meiner Abetilung, das mobile dagegen ist schon betriebsbereit, und meine MTA’s versuchen gerade den Entwickler zum Laufen zu bringen. Die Erfahrung der letzten 18 Monate hat mich, was Terminprognosen angeht, sehr vorsichtg gemacht, aber ich halte die Annahme nicht fuer sehr gewagt, dass wir nun tatsaechlich in wenigen Tagen in der Lage sein sollten, die ersten Schwarzweissbilder von unseren Patienten anzufertigen.

Herbstürme

Sunday, May 11th, 2008

gibt es hier zur Zeit gelegentlich; während es auf der Nordhalbkugel Sommer wird, gehen wir langsam auf den Winter zu. Es wird nun noch früher als sonst dunkel - durch die Nähe zum Äquator und die umliegenden hohen Berge haben wir auch in “besten Zeiten” nur bis maximal 19 Uhr Tageslicht, zur Zeit beginnt die Dämmerung schon gegen 17 Uhr, ab 18 Uhr ist es fast dunkel. Da kann man es sich dann schon früh mit einer Wolldecke, einer Tasse Tee und einem Buch auf dem Sofa gemütlich machen - nachts wird es jetzt relativ kühl, ungefähr genau 10°, würde ich schätzen, und das ganze hat bei mir an den Abenden ein paar völlig unzeitgemässe adventliche Gefühle ausgelöst - die in letzten den beiden hier erlebten Dezembermonaten dagegen ausgeblieben waren. Viel kälter als jetzt wird es hier in Curahuasi nicht werden, Eis und Schnee gibt es jedenfalls nicht. Um die Mittagszeit ist es aber wie das ganze Jahr hindurch auch jetzt bis auf sehr wenige Ausnahmen sonnig und wird. zumindest im Windschatten, schnell richtig heiss. Am Wochenende mittags in der Hängematte unter strahlend blauem Himmel kommen also dann auch schnell wieder Gefühle von Sommerurlaub auf.
Bücher habe ich übrigens gerade genug: vor zwei Wochen habe ich an einem Kurs der “SocPR” teilgenommen, der “Sociedad Peruana de Radiologia”, was in etwa der Deutschen Röntgengesellschaft entspricht. Mit 50 $ Teilnahmegebühr für drei Tage war ich dabei, ein Preis, für den man bei uns noch nicht einmal die Eingangshalle des Kongressgebäudes betreten dürfte. Drei Tage lang habe ich also von morgens bis abends spanische Vorträge zu verschiedenen Themen in der Radiologie gehört, fachlich durchaus auf hohem Niveau und mein Medizinspanisch hat sich auf jeden Fall dadurch auch mal wieder ein wenig verbessert. Und ich habe am Büchertisch zugeschlagen und mir jeweils ein (ebenfalls im Vergleich zu unserer Fachliteratur sehr günstiges) Werk zu den Themen Neuroradiologie, Skelettradiologie und Thoraxradiologie besorgt. Es handelt sich dabei um Übersetzungen US-amerikanischer Werke, die auch bei uns durchaus bekannt sind (für Insider: z.B. das Skelettradiologiebuch von Clyde Helms) und ich bin mit meinen Erwerbungen äusserst zufrieden. Jetzt liege ich also gerade am Samstag nachmittag in meinem Patio (Innenhof) in der Hängematte und führe mir Knochentumoren auf Spanisch zu Gemüte. Das Leben könnte härter sein…