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Archive for March, 2008

Weg

Sunday, March 30th, 2008

ist mein Geld ja gar nicht – das ist die gute Nachricht – nur hat es jetzt ein anderer – und das ist dann die schlechte – und zwar genau genommen der Taxifahrer, in dessen Auto ich vor ein paar Tagen meinen Geldbeutel habe liegen lassen. Wie das passieren konnte, ist mir auch schleierhaft, ich habe ihn halt am Ende der Fahrt bezahlt und war der Meinung, den Geldbeutel wieder in die Tasche gesteckt zu haben, das hat sich dann aber wenige Minuten später als Irrtum herausgestellt. Er war derweil natürlich über alle Berge. Bleibt mir nur zu hoffen, dass er sein unerwartet hohes „Trinkgeld“ sinnvoll investiert wie z.B. in die Ausbildung seiner Kinder oder die Wartung seines Autos und nicht einfach nur zusammen mit seinen Freunden in Bier umsetzt. Ärgerlicherweise war auch mein Ausländerausweis in dem Geldbeutel und das hat mich einige Fahrerei gekostet, ein Duplikat zu bekommen.
Gestern hat mir dann ein anderer Taxifahrer einen “falschen Fuffziger” angedreht, das habe ich dann bemerkt, als ich ihn kurz darauf in kleinere Scheine wechseln wollte: im Taxi selbst hatte ich nämlich kein Kleingeld gehabt (das war schon der erste Fehler), der Fahrer hat meinen Fünfziger entgegengenommen und angeblich nachgeschaut, ob er mir darauf rausgeben konnte, dann festgestellt, dass das nicht so war und mir „meinen“ Fünfziger zurückgegeben; er würde mich dann in einer halben Stunde an der gleichen Stelle wieder abholen, meinte er, dann könnte ich die Rechnung begleichen. Natürlich habe ich ein halbe Stunde später vergebens auf ihn gewartet (ich musste noch an einen anderen Ort und hatte vorgehabt, diese zweite Fahrt mit ihm zu machen als Dank für sein Vertrauen), da “mein” Fünfziger immer noch nicht gewechselt war, bin ich an die nächste Ecke gegangen, um dies dort zu erledigen; leider hat er da die Zerreissprobe im wahrsten Sinne des Wortes nicht bestanden - es war bei etwas genauerer Betrachtung noch nicht einmal eine besonders gute Fälschung, was die ganze Geschichte fast noch ärgerlicher macht.
Eine weitere etwas schlechte Nachricht habe ich bekommen, als ich heute Vormittag mal wieder Dollars in Soles getauscht habe: der Wechselkurs ist mittlerweile auf 2,7 abgesunken! als ich im November 2006 hier ankam, gab es für einen USD noch ganze 3,2 Soles, ich habe also in den 1½ Jahren einen Wertverfall um fast 20% miterlebt! Die Prognosen sind auch nicht sehr gut, bis auf 2,5 soll der Kurs noch weiter sinken. Da gibt es nur eine sinnvolle Lösung: das Geld so schnell wie möglich ausgeben. Und das tue ich ja zur Zeit auch mit beiden Händen, vorzugsweise unter durch grosszügiges Verteilen unter Taxifahrern….

Auferstanden

Tuesday, March 25th, 2008

ist Jesus, am dritten Tag nachdem er sich freiwillig hatte kreuzigen lassen, um so die ursprünglich geplante Beziehung zwischen Gott und uns Menschen wieder möglich zu machen. Die ersten Augenzeugen damals waren zwei Frauen, aber deren Behauptungen, sie hätten Jesus lebendig gesehen und mit ihm geredet, wurden von den anderen, die damals Jesus als Mensch kennen gelernt und etliche Jahre mit ihm gelebt hatten, nicht geglaubt. In den folgenden Tagen ist er seinen Jüngern dann auch noch persönlich begegnet, und neben der Identifikation anhand seines Aussehens, seiner Stimme und der Art, wie er geredet hat, konnten sie sogar seine Wunden anfassen und sich so davon überzeugen, dass es tatsächlich stimmte, was die beiden Frauen gesagt hatten: er war wieder lebendig. Und dass er die Kreuzigung nicht etwa einfach überlebt hatte, das hatten die römischen Soldaten schon sichergestellt – und die hatten schliesslich darin Erfahrung. Die Kreuzigung von Jesus und den zwei Kriminellen an seiner Seite hatte ja an einem Freitag stattgefunden und rechtzeitig vor dem Sabbat sollten alle tot sein, man wollte schliesslich an dem Feiertag keine fast toten an den Kreuzen haben. Normalerweise tritt bei Kreuzigungen der Tod durch Ersticken ein, der gekreuzigte hängt ja mit seinem ganzen Gewicht an den festgenagelten Händen, und nur indem er sich mit den ebenfalls festgenagelten Füssen hochdrückt, kann er einatmen. Wenn sich diese schreckliche langsame Prozedur des sterbens also zu lange hinzog, hat man den Opfern gelegentlich noch die Beine gebrochen, um den Vorgang zu beschleunigen. Bei Jesus war das nicht erforderlich gewesen, das hatten die Soldaten festgestellt, indem sie ihm mit einer Lanze in die Seite gestochen haben. Nachzulesen ist das übrigens in allen vier Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, den ersten vier Büchern des neuen Testamentes der Bibel.

Wie wohl alle Christen weltweit – je nach Situation öffentlich oder heimlich – habe ich gestern dieses vermutlich weltbewegendste Ereignis aller Zeiten gefeiert, in einer grossen Kirche in Lima, zusammen mit zwei Kolleginnen aus Deutschland bzw. der Schweiz und noch ca. 700 weiteren Gottesdienstbesuchern. Die Professionalität, mit welcher der Gottesdienst organisiert war, hat mich sehr beeindruckt – vor allem, dass in einigen Metern Abstand von der Kanzel die gesamte Predigt sowohl wie auch die Texte der Lieder, die wir gesungen haben, in die Gebärdensprache übersetzt wurde! Natürlich gab es eine hervorragnede Sound-Anlage und die Lieder wurden von Klavier, Keyboard und Schlagzeug begleitet; glücklicherweise angesichts der Hitze, hier gerade herrscht, haben sie auch einige Ventilatoren von Industriemassen installiert. Eine regelmässige Besucherin dieser Kirche sagte, dass dort jeden Sonntag 7 (!) Gottesdienste hintereinander stattfinden würden, um all die Leute aufnehmen zu können, die diese besuchen wollten; da können wir in unserem „christlichen Abendland“ wohl schwerlich mithalten…

Anlass meiner Limareise war es übrigens nicht, es mir hier die Osterfeiertage über gut gehen zu lassen, das ist eher ein angenehmer Nebeneffekt. Der eigentliche Zweck ist, dass ich ab heute, Ostermontag (der hier leider kein Feiertag ist) hier eine Woche lang in einer sehr modernen Röntgenpraxis hospitieren darf. Durch zahlreiche unvorhergesehene Verzögerungen hat sich ja die Eröffnung „meiner“ Röntgenabteilung ziemlich verspätet, meine letzte Hospitation in einer spanischsprachigen Röntgenabteilung (damals in Quito) ist schon ein Jahr her und beim Befunden der ersten CT’s in den vergangenen Wochen sind mir doch einige sprachliche Defizite bewusst geworden. Und diese Mängel will ich versuchen, in der kommenden und einer weiteren Woche Mitte April auszubügeln. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass ich so noch mal in den Genuss echt tropischen Wetters komme, hier erleben wir gerade die etwas verspäteten Ausläufer des Sommers mit feuchtheissen Temperaturen, die einen Aufenthalt im Freien über die Mittagszeit fast unmöglich machen. In Deutschland dagegen soll es, wie ich gehört sein, recht kühl sein?

Mülltrennung

Sunday, March 16th, 2008

in Peru funktioniert ganz einfach: man trennt sich einfach von seinem Müll, und zwar so schnell und bequem wie möglich. Für leere Plastikgetränkeflaschen kann das bedeuten, dass man sie einfach fallen lässt bzw. aus dem Fenster wirft, wenn man gerade in einem Fahrzeug unterwegs ist. Hausmüll dagegen fliegt zwanglos über die Gartenmauer oder auf das nächste unbewohnte Grundstück. Der noch geniessbare Biomüll wird dort von freilaufenden Hunden, Schweinen und Hühnern aussortiert und den Rest könnte man eigentlich gut in einen „gelben Sack“ stopfen, wenn man einen zur Hand hätte. Für unsere mitteleuropäischen Augen sind diese zahlreichen Privatmüllhalden sehr unästhetisch, ganz abgesehen, dass sie stinken, Ratten anziehen und eine gute Brustätte für Fliegen sind.
Unser Krankenhaus mit seiner deutschen Leitung hat natürlich ein ganz anderes Mülltrennungssystem, es gibt unterschiedliche (gespendete!) Tonnen für Bio-, Plastik– und Restmüll. Wenigstens beim Biomüll vermute ich, dass er gerne von verschiedenen einheimischen Mitarbeiterinnen für ihre Schweine zuhause mitgenommen wird; der Restmüll soll irgendwann einmal in unserer eigenen Müllverbrennung entsorgt werden und was bislang noch damit passiert, bis die in Betrieb genommen wird, weiss ich, ehrlich gesagt, gar nicht. Wenn wir uns konsequent an das deutsche Vorbild halten würden, würde vermutlich alles am Ende einfach wieder zusammengeschüttet…