Neurozystizercose
Monday, January 28th, 2008ist in Peru die häufigste Ursache von Gehirnverkalkungen - in Deutschland oder Schweiz habe ich diese Krankheit in den ganzen 7 Jahren Radiologie, die ich betrieben habe, nicht ein einziges Mal gesehen.
Was dabei passiert, ist folgendes: der Mensch nimmt Eier des Schweinebandwurms “Taenia solium” auf - z.B. durch fäkalien-verunreinigtes Wasser, durch rohes Gemüse oder Obst, das mit solchem Wasser gegossen oder “gewaschen” wurde - und durch die Darmwand und den Blutstrom gelangen die Larven ins Gehirn, wo sie sich niederlassen und kleine Löcher fressen. Wenn sie absterben, hinterlassen sie eine kleine Verkalkung. Die Symptome des Betroffen hängen natürlich ganz von dem Ort des Geschehens ab und können ganz unterschiedlich, sowohl körperlicher als auch psychischer Art sein.
Ein 13jähriger Junge aus Curahuasi leidet seit November vergangenen Jahres unter damals neu aufgetretenen Krampfanfälle, und bevor sie ihn einfach auf Epilepsie behandelt, hat unsere Kinderärztin zum Ausschluss alternativer Krankheitsursachen eine “Bildgebung” seines Gehirns angeordnet - die einzigen Möglichkeiten dazu bestehen in Computer- und Magnetresonanztomographie, letztere wesentlich teurer und bei uns natürlich nicht im Angebot.
Trotz unserer ziemlich moderaten Preise für diese gerätebedingt doch sehr aufwendige Untersuchung im CT (50 €) wäre die Familie des Jungen nicht in der Lage gewesen, die Gesamtkosten zu tragen, die Hälfte davon wurde also vom “charity fund” übernommen. Das Ergebnis der Untersuchung war eindrucksvoll: der Junge hat unglaublich viele Verkalkungen im Gehirn, in seinem Fall ein Ausdruck eines recht stark ausgeprägten Befalls mit diesen Larven, und ausserdem ein paar “aktive Herde”, in denen die Larven also noch leben.
Glück im Unglück für den Patienten, dass wir diese Diagnose stellen konnten, jetzt wird er ein Wurmmittel (Albenazol) bekommen; damit können zwar die bereits bestehenden Schäden nicht repariert, aber wenigstens die noch lebenden Larven abgetötet und somit ein Fortschreiten der Krankheit verhindert werden.


