Fensterputzen war am nächsten Tag bei mir angesagt. Dienstag abend waren wir in Curahuasi angekommen, Freitag sollte die Einweihungsfeier sein und im Krankenhaus war noch einiges an Vorbereitungsarbeiten zu erledigen. Alle aus dem Team haben mitgeholfen so gut es ging und so hat es schliesslich einigermassen zufriedenstellend geklappt mit dem Putzen und der Dekoration.
Begonnen hat der Freitag mit Regen - etwa 2 Stunden lang hat er angedauert; ausgerechnet an diesem einen Tag, habe ich gedacht, mitten in der Trockenzeit, musste das denn sein, aber danach wurde es dann sonnig und ein wenig windig, also perfekt, so dass es nicht zu heiss wurde. Im Nachhinein hat sich der Regen auch als ganz gut erwiesen, so war es wesentlich weniger staubig als sonst. Aber auch sonst ist alles reibungslos gelaufen. Über hundert Essen mit Suppe, Hauptgericht und Nachtisch haben ein paar meiner Kollegen mittags den “VIP”-Gästen serviert, darunter der Präsidentengattin, die tatsächlich erschienen ist - eine logistische Glanzleistung, da die Krankenhausküche noch nicht in Betrieb ist. Anschliessend wurden diese Gäste sowie die Presse - es waren Vertreter von etlichen peruanischen Fernsehsendern gekommen - durch das Krankenhaus geführt. Von 14 bis fast 18 Uhr dauerte dann die eigentliche Eröffnungsfeier, zu der erwartungsgemäss etwa 4000 Menschen erschienen waren, mit Flaggenhissen und etlichen Reden, unter anderem von der Präsidentengattin sowie vom Gesundheitsminister, dem Präsidenten unseres “Departementos” Apurimac, dem aktuellen und vorherigen Bürgermeister von Curahuasi und dem deutschen Botschafter aus Lima.
Am Samstag war dann “Tag der offenen Tür” für alle und ich war eine von den 5 Mitarbeitern, die Führungen gemacht hat. Während im Innenhof ein Kinderfest statt fand mit Hüpfburg, verschiedenen Geschicklichkeitsspielen sowie einer Mal- und Bastelecke, bin ich 12 mal hintereinander mit Gruppen von 20 - 30 Einheimischen durch das Krankenhaus gezogen und habe ihnen gezeigt, was es da alles an tollen Geräten gibt, mit denen wir sie demnächst versorgen werden, wenn sie krank werden. Zu den Highlights gehörten die OPs mit ihren modernen Patientenliegen und High-Tech-OP-Lampen, das Labor mit den im letzten Moment eingetroffenen Analysecomputern, einer Spende der Firma Roche, sowie natürlich das neue Philips-Sonogerät und mein zukünftiges Lieblingsspielzeug, das Siemens-CT. Ich habe viele ungläubige Gesichter gesehen und Köpfeschütteln über so unglaublich teure moderne Geräte, die nun für diese Menschen zur Verfügung stehen, von denen viele in sehr schlichten Adobehäusern wohnen und von Tag zu Tag ums überleben kämpfen. Ganz besonders gut gefallen hat den Besuchern das Kinderkrankenzimmer, das noch letzten Samstag von Mitarbeitern gestaltet wurde mit einer Arche Noah, ein paar Lamas, einem Condor sowie ein paar Meerschweinchen und Hühnern, die sie an die Wände gemalt haben; ausserdem gibt es dort einen nagelneuen Inkubator, ein Gitterbettchen für Kleinkinder sowie eine Spielecke mit einem Tischen und ein paar schönen Holzspielsachen. So etwas Schönes, sagte ein extra aus Lima angereister Medizinstudent, hätte er noch nicht einmal in Lima im Kinderspital gesehen.