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Archive for April, 2007

Geschickt gemacht

Monday, April 30th, 2007

Samstag Morgen durfte ich bei einer Hand-Op zuschauen: Dr. Eckehart Wolff, ein hervorragender deutscher Chirurg, der schon seit ueber 20 Jahren als Missionsarzt arbeitet, hat die Beugesehnen des Mittel- und Ringfingers eines Patienten zusammengeflickt, die dieser sich selber mit der Machete durchgeschnitten hat. Nicht das erste Mal haben die Kollegen hier dieses Verletzungsmuster gesehen: die Einheimischen halten ihre Machete, wenn sie Sie durch den Regenwald tragen, gerne an der Klinge, dann ist sie besser ausbalanciert und leichter zu tragen. Ziemlich bloed nur, wenn man dann ausrutscht und hinfaellt wie dieser Patient… Wenigstens die Op war wirklich geschickt gemacht!

Aunt Minnie

Saturday, April 28th, 2007

an alle Aunt-Minnie-Nutzer: der Fall, der heute, am 27.04. vorgestellt wird, behandelt Pyomyositis!  - und liefert ein gutes Argument, warum auch das Krankenhaus hier in Shell so wie wir in Curahuasi - ein CT haben sollte…

Zeitvertreib

Saturday, April 28th, 2007

ZeitvertreibAehnlich wie bei uns muessen auch sich hier die Patienten manchmal laengere Zeit im Wartezimmer gedulden, bis sie an der Reihe sind oder ihre Untersuchungsergeb- nisse fertig. Da ist es natuerlich gut, wenn man etwas hat, um sich die Wartezeit etwas zu verkuerzen. Lesen gehoert nicht gerade zu den beliebten Taetigkeiten, weder in Peru noch hier in Ecuador - abgesehen davon, dass Buecher relativ teuer sind und fuer viele ein unerschwinglicher Luxus. Aber dafuer hat man andere Moeglichkeiten, solche Zeiten sinnvoll zu nutzen - z.B. mit Ungezieferbekaempfung… (s. Foto)

Operationsergebnisse

Saturday, April 28th, 2007

Drei Faelle von Osteomyelitis hat unser Chirurg Dr. Eckehart Wolff in der vergangenen Woche operiert. Der 12jaehrige Junge mit dem entzuendeten Schienbeinknochen konnte gestern entlassen werden, er muss noch mehrere Wochen Antibiotika schlucken, kann aber wieder gehen. Fussballspielen soll er noch nicht, nicht dass ihm dabei jemand vor’s Schienbein tritt, das noch nicht komplett ausgeheilt ist). Die beiden anderen Patienten werden noch eine zeitlang hier bleiben.

Fit wie ein TurnschuhEin 6jaeriges Maedchen hat eine aehnliche Erkrankung schon im vergangenen Jahr hinter sich gebracht; damals wollten ihre Aerzte ihr schon das Bein amputieren! Zum Glueck ist sie aber noch auf andere Aerzte gestossen, die mehr Hoffnung hatten. Der Heilungsprozes war sehr kompliziert - nach der Entzuendung ist die Tibia zunaehchst gebrochen und hat eine Pseudarthrose zur Fibula sowie eine Rotationsfehlstellung entwickelt. In Zusammenarbeit mit einem Spezialisten aus den USA, der jedes Jahr fuer zwei Wochen nach Ecuador kommt, um solche komplizierten Faelle zu behandeln, ist ihr Bein mehrfach operiert und in speziellen Halterungen fixiert worden und jezt abgesehen von einer leichten Laengendifferenz wieder fast normal - auf jeden Fall ist sie wieder zu Fuss unterwegs, wie man unschwer dem Roentgenbild (noch mit Fixateur, aber schon mit Schuh) entnehmen kann!

Ungebetene Besucher

Thursday, April 26th, 2007

nicht alle, die versuchen, ins Krankenhaus zu kommen, werden gleich freundlich aufgenommen: letzte Woche hat eine Schlange dies leider mit ihrem Leben bezahlt. Weitere, zum Teil sehr viel groessere und teilweise auch giftige Vorgaenger von ihr sind im klinischen Labor asserviert (Fotos).Schlangeim Glas

Entscheidungen

Thursday, April 26th, 2007

Waodani-JungeGestern hat sich eine Frau in fortgeschrittenem Schwangerschaftsstadium im Krankenhaus vorgestellt. Sie hat bereits sechs Kinder - zwei Jungen und vier Maedchen. Sollte dieses naechste Kind ein Junge sein, haette sie gerne im Anschluss an die Entbindung eine Sterilisierung. Falls es leider doch ein Maedchen ist, wuerde sie es wohl auf noch einen Versuch ankommen lassen.

Ein Kollgege von hier hat mir von einem Paar erzehlt, das sich vor einiger Zeit zum Ultraschall vorgestellt hat. Sie hatten bereits vier Maedchen und die Frau war wieder schwanger. Bereits vor der Untersuchung - bei der auch das Geschlecht des Kindes bestimmt werden sollte - hat der Mann gesagt, dass er die Frau verlassen wuerde, falls es schon wieder ein Maedchen waere; und er hat es ernst gemeint. Zum Glueck war es diesmal endlich ein Junge. (Foto: Waodani-Junge auf dem Arm seiner Mutter)

Waodani

Tuesday, April 24th, 2007

nennt sich ein Stamm von Ureinwohnern im Amazonasgebiet von Ecuador; in ihrer eigenen Sprache bedeutet dieser Name “Volk”; von den Quechua werden sie bezeichnenderweise “Auca” (”wild”) genannt. Vor etwa 50 Jahren wurden sie erstmals von Missionaren erreicht. Landebahn Damals war dieser Stamm sehr agressiv - zum einen gehoerten sie einer animistischen Religion an, d.h. sie lebten in staendiger Angst vor unsichtbarer Geistern (nicht selten werden in diesen Religionen bis zu Menschenopfer gebracht in der Hoffnung, die Geister auf diese Weise zu besaenftigen). Aber auch die einzelnen Familien bzw. Doerfer untereinander waren nicht gerade friedlich, die Waorani gehoerten zu den Voelkern, die gerne von ihren Feinden Schrumpfkoepfe hergestellt haben. Und schliesslich leben diese Menschen ueberwiegend in oelhaltigen Gebieten, somit waren ihre ersten Begegnungen mit Weissen, die es auf das Oel abgesehen hatten und sie ihres Landes berauben wollten, nicht gerade erfreulich (Foto1: Landebahn bei einem Waorani-Dorf).

Fuenf Maenner von diesen ersten Missionaren - der vermutlich bekannteste von ihnen war Jim Elliot - sind von Speeren der Waodani aufgespiesst worden bei dem Versuch, Kontakt zu ihnen herzustellen, um ihnen von dem Gott erzaehlen zu koennen, vor dem sie keine Angst zu haben brauchen, sondern der sie so liebt, dass er sogar seinen eigenen Sohn fuer sie hat kreuzigen lassen. Die Frauen dieser Missionare sind unglaublicherweise mit ihren Kindern dort geblieben und haben weiterhin mit viel Geduld und Liebe daran gearbeitet, das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen (mehr ueber diese Geschichte findet sich unter http://www.hcjb.org/about_us/history/operation_auca.html).

Zusammen mit einem Team von US-amerikanischen Kurzzeitmitarbeitern hatte ich letzten Freitag die Gelegenheit, mit einer kleinen 6sitzer-Propellermaschine (Foto2) eines dieserCesna 206 Doerfer zu besuchen. Heutzutage ist dies ungefaehrlich, fast alle Bewohner dieses Dorfes sind Christen und sehr friedlich. Sie leben weiterhin in ihren traditio- nellen Haeusern und ernaehren sich wie gewohnt von Wurzeln, Gemuese und Fruechten des Regen- waldes, von Huehnern, die sie halten, sowie von Tieren, die sie traditionell mit dem Speer oder Blasrohr jagen. Was sich aber geaendert hat, ist ihre Angst und Feindseeligkeit. Sie haben sich offensichtlich sehr ueber unseren Besuch gefreut und hatten riesigen Spass, wenn sie fotografiert wurden. Etwa 800 Warani gibt es in diesem Gebiet, ca. 400 von ihnen gehen in die Schule (das Durchnittsalter ist sehr viel geringer als bei uns) und haben so die Moeglichkeit, wenn sie es moechten, eines Tages auch einen Beruf ausserhalb des Regen- waldes zu ergreifen oder ihre politischen Interessen zumindest teilweise selber vertreten. Sehr dankbar sind sie natuerlich auch fuer die medizinische Hilfe - immer mal wieder werden schwer Kranke oder Verletzte mit dem Flugzeug oder Hubschrauber aus dem Regenwald geholt; Strassen fuer Fahrzeuge gibt es in diesen Gegenden nicht und die einzige Alternative, ein Krankenhaus zu erreichen, waere zu Fuss (eine sehr beschwerliche Reise von mehreren Tagen).

Hurra hurra hurra

Tuesday, April 24th, 2007

das unglaubliche ist wahr geworden: am Freitag Morgen sind 7 Container mit 50 Container in CallaoTonnen Sachspenden fuer unser Krankenhaus in Lima angekommen. Diese Fracht durch den Zoll zu bekommen, kann unter normalen Umstaenden Wochen, aber auch bis zu Monaten oder Jahre dauern. Mal wieder ist ein grosses Wunder geschehen: innerhalb von nur 3 Stunden waren alle Container durch den Zoll! Die peruanische Transportfirma Neptunia war bereit, sie kostenlos in Richtung Curahuasi weiterzutransportieren, vermutlich sind sie inzwischen dort angekommen.

Eine weitere sehr gute Nachricht: endlich schriftlich haben wir die Zusage von Siemens, uns ein CT im Wert von ca. 150.000 € zu spenden! auch um Transport und Aufbau des Geraetes wollen sie sich kuemmern und das alles soll noch vor der geplanten Einweihung im August geschehen… man darf gespannt sein, ich werde berichten! (mehr Details und weitere spannende Berichte auf der Krankenhaus-Homepage unter www.diospi-suyana.org).

noch mehr Osteomyelitis

Sunday, April 22nd, 2007

Zwei weitere sehr traurige Faelle von Osteomyelitis nach Pyomyositis haben wir in den letzten Tagen gesehen: zunaehst eine 24jaehrige sehr huebsche Frau, die sich mit einer schon seit laengerem eiternden Wunde paraanal vorstellte. Sie hat drei Kinder, das juengste etwa ein Jahr alt; ihr Mann hat sie verlassen, so wie sie andeutete wohl wegen dieser Erkrankung. Das Osteomyelitis SitzbeinRoentgenbild hat deutlich gezeigt, dass es sich nicht nur um einen Abzess in den Weichteilen handelt, sondern das Sitzbein und auch das rechte Hueftgelenk beteiligt sind. Da gibt es nur eine sinnvolle Therapie: der Abszess muss entfernt werden einschliesslich moeglichst viel von dem infizierten Knochen, dann muss muss der Knochen ueber Sonden mit hochkonzentrierter Antiobiotikaloesung gespuelt werden und der Patient laengere Zeit systemisch mit Antibiotika behandelt werden. Aber auch unter optimaler Therapie ist eine solche Knocheninfektion lebenslang in Gefahr zu rezidivieren.

Der zweite Fall, den wir gesehen haben, ist ein 12jaehriger Shuar-Indianer. Er kam mit seinem Vater und auf ein Gestell gestuetzt gehend, das rechte Bein kann er nicht belasten. Das Roentgenbild zeigt deutlich, warum: der gesamte rechte Femurkopf und -hals sind schon fast verschwunden, auch die Hueftgelenkspfanne ist mitbeteiligt, wieder fatale Auswirkungen einer wahrscheinlich Osteomyelitis FemurStaphylokokkeninfektion. Fuer Dienstag ist seine Operation geplant. Der Vater hat keine Miene verzogen, aber der Junge hat geweint, als er erfahren hat, was ihm bevorsteht. Nach der Sanierung der Infektion (also u.a. Enfernung des infizierten Knochens) wird das Gelenk vermutlich zunaechst einmal versteift werden, ev. kann er in ein paar Jahren eine Prothese erhalten. Wobei die Kosten dafuer natuerlich weit jenseits von dem liegen, was sich seine Familie leisten kann.

Traditionelle Medizin?

Thursday, April 19th, 2007

Gestern haben wir einen Patienten aufgenommen, der aufgund eines Tumors in der Brustwirbelsaule querschnittsgelaehmt ist. Um ihm wieder etwas “auf die Beine zu helfen”, haben seine Angehoerigen diese ueber ein Feuer gehalten; jeder Gesunde haette sich durch diese therapeutische Massnahme sicherlich hoch motiviert gefuehlt, die Beine zu bewegen; leider war unser Osteitis CalcaneusPatient dazu auch in dieser Extremsituation nicht in der Lage und hat Verbrennungen an der Rueckseite beider Unterschenkel davongetragen (der einzige Trost ist, dass auch seine Sensibilitaet in diesem Bereich stark eingeschraenkt ist). Eine dieser Verbrennunsstellen an der Ferse hat sich infiziert, er hat jetzt dort ein tiefes eiterndes Loch und das Roentgenbild laesst unschwer erkennen, dass leider auch der Knochen in Mitleidenschaft gezogen ist.