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Archive for March, 2007

“entre higado y bazo…”

Friday, March 23rd, 2007

“Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils” - das zumindest ist die allgemeine Meinung, die meine neuen Kollegen hier in Quito von uns Deutschen haben. Um dieses Vorurteil zu bekraeftigen, habe ich ihnen zu ihrer grossen Freude auch eine gebraechliche deutsche Grussformel beigebracht: “Bier her!”

Abgesehen davon bin ich natuerlich fleissig am lernen, spanische Anatomiebegriffe (s.o.) und spezielle radiologische Ausdrucksweisen, und ich bin wirklich froh, dass ich diese Zeit hier dafuer habe - ich kann mir nicht vorstellen, wie ich das auf eigene Faust haette hinbekommen sollen. Viel Gelegenheit, etwas von der Stadt zu sehen, hatte ich bisher noch nicht. Meistens bleibe ich so wie meine Kollegen bis etwa 7 Uhr abends in der Abteilung, wenn ich dann nach Hause komme, ist es schon fast dunkel (wir sind ja hier sehr nahe am Aequator!) und es wird sehr davon abgeraten, im Dunkeln alleine das Haus zu verlassen. Aber das Wochenende steht ja kurz bevor…

Vier Jahreszeiten

Tuesday, March 20th, 2007

Quito- leider nicht auf der Pizza, sondern im Laufe eines Tages hier in Quito, das ist, wie ein freundlicher Taxifahrer mit mitgeteilt hat, wohl ziemlich normal. Samstag morgen bin ich im tropisch schwuelwarmen Guayquil logefahren (nachdem ich seit Freitag nun doch Antibiotika zu mir nehme, geht es mir gesundheitlich wieder ziemlich gut); die Fahrt dauerte ca. 8 h, anfangs durch flaches sumpfiges Gelaende, zuletzt hat sich der Bus durch verregneten Regenwald hochgeschraubt auf die ca. 2.800 m, in denen ich mich nun befinde. Bei der Ankunft in der Stadt wollte ich fast meinen Augen nicht trauen: es hatte tatsaechlich geschneit! - also habe ich diesen Winter wider Erwarten doch noch mal kurz Schnee zu sehen bekommen. Allerdings ist er hier bestimmt nicht lange liegen geblieben.

Am Sonntag morgen war richtig angenehmes Fruehlingswetter so dass ich mich nach dem Gottesdienst (nach mehreren Wochen der erste, hat richtig gut getan, zumal die Predigt auf Englisch - und nicht etwa Quetchua - war und sehr gut) ins Stadtzentrum begeben habe und dort direkt auf ein Open-Air-Jazzkonzert getroffen bin! das war natuerlich genau das richtige fuer mich und ich habe einen sehr netten Nachmittag verbracht. Quito hat wirklich einige sehr schoene Ecken ( nicht umsonst ist das Zentrum zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden) und wirkt ueberhaupt sehr weltstaedtisch (kein Vergleich mit Lima, finde ich).

Kollegen in QuitoHeute ist mein erster Tag in der Roentgenabteilung des Krankenhauses VozAndes und ich habe es dort wirklich gut getroffen. Meine Kollegen sind sehr nett und kompetent (wie koennte es anders sein, sind ja Radiologen), die Abteilung ist sehr gut ausgestattet (ueberwiegend mit Siemens-Geraeten) und mir hat es richtig Spass gemacht, nach der ganzen Zeit endlich mal wieder ein paar Roentgenbilder und CT’s zu sehen und natuerlich moeglichst auch meinen Senf dazuzugeben…

Lebenszeichen (schwach) aus Ecuador

Saturday, March 17th, 2007

Vor zwei Tagen bin ich also per Flugzeug in Ecuador angekommen, und obwohl ich mich immer noch ueber die Kosten des Fluges aergere ist mir doch klar, dass eine Busfahrt kaum moeglich gewesen waere. 6 Tage nach dem Beginn leide ich immer noch unter Durchfall und bin froh, wenn ich mich nicht weiter als 10 m von der naechsten Toilette entfernen muss. Morgen sollte ich mit dem Bus (8 h Fahrt) nach Quito weiterfahren und daher bin ich nun tatsaechlich zum aeussersten geschritten und habe mich zur naehsten Apotheke aufgemacht um mir ein Antibiotikum zu besorgen und eine Art Immodium fuer die Fahrt morgen. Natuerlich versuche ich, so viel wie moeglich zu trinken und habe mir auch schon ein paar Elektolytloesungen besorgt, das Essen faellt mir aber immer noch sehr schwer und ich muss mich schon zwingen, eine Scheibe Toastbrot zu mir zu nehmen. Etwas geschwaecht werde ich also morgen Abend hoffentlich in Quito ankommen und waere sehr dankbar, wenn ich am Montag morgen wieder einsatzfaehig waere, da soll naemlich mein dreiwoechiger “working visit” in dem Krankenhaus beginnen.

Reisefieber…

Wednesday, March 14th, 2007

… war es leider nicht, was mich auf der 16-stuendigen Busfahrt von Cusco nach Lima gequaelt hat, sondern am ehesten ein gemeiner kleiner Virus. Fast unmittelbar nach meiner Abfahrt am Samstag nachmittag fingen die Symptome an, zunaechst mit Uebelkeit, dann hat mich saemtlicher Inhalt meines Magen-Darm-Trakts in beide Richtungen verlassen, was sich natuerlich vom praktischen Aspekt her in dem Bus mit einer leider recht schmutzigen und obendrein zum Teil heftig wackelnden Bordtoilette als besonders unangehem erwiesen hat; weitere unschoene Details moechte ich nicht schildern, ich glaube es ist deutlich genug, das dies keine Erfahrung ist, die irgendjemand sich wuenschen wuerde. Entsprechend erleichtert war ich, als wir Sonntagmorgen gegen 8 Uhr endlich in Lima eingetroffen sind und ich habe mich umgehend ein mir bekanntes Hotel begeben, wo ich mit einem sauberen Bett und einem eigenen Badezimmer rechnen konnte - das war das einzige, was ich in dem Moment noch wollte.

Ziel meiner Reise ist Ecuador; dort werde ich drei Wochen lang in Quito und anschliessend weitere zwei Wochen in einem kleineren Ort namens Shell (war mal die erste Oelbohrstation in Ecuador) in den Roentgenabteilungen mitarbeiten duerfen und auf diese Weise auch schon mal ein paar medizinische bzw. radiologische Fachwoerter auf Spanisch lernen. Die Wahl ist auf diese beiden Haeuser gefallen, da sowohl Ehepaar John, die medizinischen Leiter unseres Krankenhauses in Curahuasi, sowie auch Lyndal, “meine” MTA, jeweils schon mehrere Jahre dort gearbeitet haben und somit ganz gut einschaetzen koennen, was mich dort erwarten wird; ausserdem bestehen so natuerlich auch etliche private Kontakte, welche die Organisation dieser “working visits” wesentlich einfacher machen.

Urspruenglich hatte ich ja mal geplant, den ganzen Weg dorthin mit dem Bus zurueckzulegen, das waeren aber nochmal 3 Etappen von jeweils mindestens 8 Stunden Fahrt, wesentlich preiswerter als ein Flug, man sieht natuerlich auch etwas von der Landschaft unterwegs, aber nach meinen juengsten Erlebnissen steht mir der Sinn verstaendlicherweise gerade doch nicht so nach langen Busfahren und ich tendiere etwas mehr zum wesentlich komfortableren Fliegen.   

Flohmarkt

Saturday, March 10th, 2007

- dieser bei uns recht harmlose Begriff gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung, leider. Vor ein paar Tagen bin ich mal in einem oeffentlichen Bus gereist, zwischen zwei nette einheimische Maenner gequetscht, von denen mindestens einer am Tag davor eine leckere und sehr gesunde Mahlzeit mit viel Knoblauch zu sich genommen haben muss. Vermutlich im Laufe dieser Busfahrt muss sich so ein kleines Biest nach einem neuen Zuhause umgesehen haben (vielleicht war es ihm auch zu viel Knoblauch, wo es es bis dahin lebte) und ich habe jetzt das Nachsehen.

Uebrigens ist WickVaporub (schreibt man das so??) sehr hilfreich; wenn man es auf Stiche reibt, laesst der Juckreiz fast unmittelbar nach!

Think!!

Tuesday, March 6th, 2007

“Thinking is the hardest work there is, which is the probable reason, why so few engage in it” (”Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt, dies ist der anzunehmende Grund, warum sich so wenige darin betaetigen”) - hat, glaube ich, Henry Ford mal gesagt.
Vor einiger Zeit habe ich mal in einem Taxi gesessen, als der Fahrer und sein ebenfalls einheimischer Beifahrere ueber die Ursache der Probleme dieses Landes unterhalten haben; sie waren sich einig, dass ein Hauptproblem darin liegt, dass viele Leute einfach nicht denken. Ich persoenlich glaube, dass da sehr viel Wahres dran ist. Dass sie arbeitsscheu waeren, kann man den Menschen hier absolut nicht vorwerfen, viele schuften wirklich viele Stunden am Tag. Aber oft scheinen sie dabei einfach nicht den Kopf zu benutzten und machen dadurch ihre Arbeit unnoetig ineffektiv. Unseren Handwerkern in Curahuasi scheint es z.B. oftmals geradezu unmoeglich zu sein zu erahnen, welches Arbeitsmaterial sie ev. am naechsten Tag brauchen koennten; da man dieses Material in Curahuasi in der Regel nicht kaufen kann, fuehrt dies zu unnoetig haeufigen Fahrten in die naechsten Staedte, was natuerlich viel Zeit und auch Geld kostet.

In meiner Zeit hier habe ich ein paar sehr interessante Entwicklungshilfeprojekte kennengelernt, die das eigene Denken der Menschen als Ansatzpunkt nehmen. Das Projekt “Inti Raymi” (”Fest der Sonne” auf Quetchua) z.B. laedt Dorfbewohner in der Gegend um Cusco ein, andere Doerfer in der Naehe zu besichtigen; dort koennen sie sich anschauen, wie man z.B. eine Feuerstelle erhoeht baut (im Gegensatz zu den traditionell ueblichen Feuerstellen auf dem Boden schuetzt dies die kleinen Kinder davor, ins Feuer zu fallen und erleichter ausserdem der Hausfrau das Kochen), wie man Schweine einzaeunen kann (traditionell laufen sie einfach im Hof oder in den Feldern herum und unterhalten so den Kreislauf des Schweinebandwurms), wie man einen Fischteich baut, um das Nahrungsspektrum zu erweitern oder Toiletten fuer eine bessere Hygiene. Nach dieser Besichtigungstour erhalten die Dorfbewohner weder materielle noch praktische Hilfe, erfahren aber, dass eine bestimmte Zeit spaeter eine Praemierung der besten Resultate mit sehr attraktiven Geldpreisen stattfinden. Der Erfolg dieses Projekts schein hervorragend zu sein: die Leute sind sehr motiviert durch die Praemien, die ihnen in Aussicht gestellt werden und sehr stolz auf das, was sie selber an Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen erzielt haben. Im Gegensatz dazu wuerden sie vermutlich z.B. Toilettenhaeuschen, die ihnen vom Fremden hingestellt wuerden, einfach nicht benutzen.

ThinkEin anderes sehr interessantes und ungewoehnliches Projekt hat eine junge deutsche Frau mit einer niederlaendischen Organisation durchgefuehrt: ein einer kleineren peruanischen Stadt ha sie ein Theaterprojekt geleitet. Die Schauspieler haben selbstgeschriebene Stuecke geprobt und aufgefuehrt, bei aussreichend Oeffentlichkeitsarbeit wohl auch mit recht guter Resonanz bei der Bevoelkerung. Eine tolle Methode, glaube ich, Menschen zum Denken zu bringen!

Steinerne Zeitzeugen

Tuesday, March 6th, 2007

Eines der vielen Highlights meiner Rundreise mit meiner Schwester in den letzten zwei Wochen war die ”lithische Bibliothek” in Ica, etwa 5 Stunden suedlich von Lima. In einer privaten Sammlung sind dort ueber 11.000 Steine mit sehr filigranen Zeichnungen gelagert. Die ersten von ihnen wurden laut meinem Reisefuehrer 1961 entdeckt, als sie durch eine Laufaenderung des Rio Ica aus einer Hoehle in der Wueste geschwemmt wurden. Eine Analyse der Oxidationsschichten im Berbbauinstitut Lima ergab ein Alter von mehr als 12.000 Jahren, dieses Ergebnis wurde durch Professor Dr. Frechen vom Bonner Institut fuer Mineralogie bestaetigt. Um so erstaunlicher der Inhalt dieser Zeichnungen: auf manchen sind Innere Organe wie Herz und Nieren sehr naturgetreu dargestellt, andere stellen Organtransplantationen dar (interessanterweise erhaelt der Patient dabei scheinbar eine Bluttransfusion von einer Schwangeren - die Museumsleiterin sagte, es gaebe im Blut von Schwangeren eine besondere Substanz, die die Fremdkoerperabstossung verhindern wuerde -?!). Weitere Zeichnungen stellen Dinosaurier mit darauf reitenden Menschen dar, es gibt Bilder von Kaenguruhs (!) oder von den fuenf Kontinenten… isgesamt eine extrem interessante Ausstellung, zu schade nur, dass die Raeumlichkeiten so beengt sind und ein grosser Teil der Sammlung gar nicht wirklich zur Geltung kommt.

(weitere Fotos bei Flickr)  Meine Empfehlung fuer die naechste Peru-Reise: unbedingt anschauen!! Â