home

Archive for January, 2007

El Chachani

Wednesday, January 31st, 2007

Nach einer weiteren Woche Español extremo (waehrend die meisten Estudiantes sich 4-6 Monate Zeit lassen, habe ich fuer den Sprachkurs nur 5 Wochen eingeplant - meine Lehrer, die Guten, versuchen aber, mir in dieser Zeit den gleichen Stoff einzutrichtern) war am Wochenende mal wieder Zeit fuer koerperliche Ertuechtigung. Nicht weit von Arequipa liegt der ruhende Vulkan Nevada Chachani, mit 6075m etwas hoeher als der 5821m hohe Misti; genau das richtige fuer dieses Wochenende, habe ich gedacht.

Samstag morgen sind wir (Lars, der mich heute verlassen hat, um nach Bolivien weiterzureisen, Paul, ein Ire, der in unserem Hostal abgestiegen ist, und ich) von der Reiseagentur abgeholt worden und mit dem Jeep bis auf 4900m Hoehe gefahren worden. Von dort ging es zu Fuss bis zum Base Camp auf 5300m Hoehe. Den freien Nachmittag dort habe ich fuer einen Selbstversuch genutzt: ich wollte mal sehen, ab man ev. unter Sauerstoffdefizit auch unregelmaessige Verben lernen kann (s. Foto) - tatsaechlich, es geht!!

Die Nacht im Zelt war ziemlich ungemuetlich - die Isomatte war schrecklich duenn, mir war kalt - immerhin ist das Wasser in der Flasche vor dem Zelt gefroren - und ausserdem hatte ich schon im Liegen einen Ruhepuls von ca. 120, bedingt durch den Sauerstoffmangel; ich habe also kein Auge zugetan, aber wenigstens die Zeit genutzt und mich in Gedanken die unregelmaessigen Verben abgefragt… Um 2 Uhr morgens sind wir dann losmarschiert, anfangs mit Stirnlampe, unter einem ueberwaeltigenden Sternenhimmel; nach ein paar Stunden hatte man ausserdem einen wunderschoenen Blick auf die Lichter von Arequipa. Gegen 5.30 Uhr ist die Sonne ueber den Horizont gestiegen, wieder ein beeindruckender Anblick. Mit zunehmender Hoehe wurde der Anstieg immer muehsamer - mein Koerper hat versucht, mir mit allen moeglichen Mitteln mitzuteilen, dass er fuer solche Hoehen nicht geschaffen ist, ich dagegen habe mir alle Muehe gegeben, dies zu ignorieren und bin schliesslich mehr auf dem Zahnfleisch kriechend als aufrecht gegen 10 Uhr auf dem Gipfel angelangt. Von dem Ausblick dort habe ich wenigstens ein paar Fotos gemacht, damit ich spaeter mal schauen kann, wie es da aussieht…

Der Abstieg hat nochmal ca. 3 Stunden gedauert, die “Soroche”, die Hoehenkrankheit (vor allem habe ich unter Uebelkeit gelitten und musste mich von dem vorangegangenen Abendessen und Fruehstueck verabschieden, danach ging’s aber schon viel besser) hat langsam nachgelassen, was geblieben ist, war eine unglaubliche Muedigkeit im ganzen Koerper.

Am Basecamp angekommen haben wir nochmal eine kleine Pause eingelegt und sind dann vollends abgestiegen bis zu der Stelle, wo und der Jeep wieder eingesammelt hat. Ueber eine unmoegliche Schotterpiste ging es wieder zurueck nach Arequipa (wenigstens sind so die armen strapazierten Muskeln mal ordentlich durchgeschuettelt worden - mein Magen haette allerdings eine etwas bessere Stasse bevorzugt). In der Stadt angekommen haette der Fahrer in einer Stasse mit roter Ampel - zum Glueck ging es bergauf - bremsen muessen, leider haben jedoch die Bremsen komplett versagt, so dass wir das Auto vor uns gerammt haben. Natuerlich gab das ziemliche Aufregung, die Polizei musste kommen etc., aber zum Glueck gab es an beiden Autos nur Blechschaeden, Menschen sind nicht verletzt worden - nicht auszudenken, was passiert waere, wenn die Bremsen eine Stunde ihren Geist aufgegeben haetten, als wir ueber die Serpentinen den Berg runtergefahren sind!! fuer mich mal wieder ein echter Grund, Gott fuer diese Bewahrung zu danken!!  

El Condor pasa

Saturday, January 27th, 2007

Nach meiner ersten Woche in der Sprachschule in Arequipa habe ich das Wochenende genutzt, um meinen ziemlich rauchenden Kopf etwas auszulueften und mir die Umgebung ein wenig anzuschauen: etwa 4 Autostunden von der Stadt entfernt befindet sich das “Colca Canyon”, ein Tal, das zur Inkazeit zur Vorratshaltung genutzt wurde (”Colca” heisst in der Sprache der Quechua “Geld” oder “Vorrat”). Hier befindet sich auch eine Schlucht, die mit einer maximalen Tiefe von ca. 4000m (gemessen vom Gipfel des Señal Ajirhua) deutlich tiefer ist als z.B. der bis 1800m tiefe Grand Canyon in Colorado, USA! Die Thermik, die sich in der Schlucht bei Sonneneinstahlung bildet, wird von den Condoren gerne zum segeln genutzt; der Aussichtspunkt “Cruz del Condor” bietet in der Regel gute Moeglichkeiten, diese beeindruckenden Riesenvoegel (Spannweite bis 3,20 m) zu beobachten - allerdings lohnt es sich nicht, vor ca. 9 Ur am Aussichtspunkt zu sein, da offensichtlich erst dann eine ausreichende Thermik besteht.

Wir (ich habe gerade Besuch von Lars, auch genannt “der Schweigsame”, einem frueheren Kollegen aus Aarau) waren also gegen 9 Uhr dort, wir zwei Sonntagskinder hatten Glueck und strahlenden Sonnenschein (wir haben hier ja gerade Regenzeit) und haben tatsaechlich in den naeschten 11/2 Stunden einige Condore gesehen, z.T. sehr nahe ueber uns hinwegsegelnd - ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis (s. Fotos)!! 

Den restlichen Tag haben wir genutzt, um ca. 1000m in die Schlucht hinabzusteigen; unten neben dem “Rio Colca” liegt eine richtige Oase inmitten der sonst sehr trockenen Landschaft, mit Palmen und Blumen und vor allen mehreren Schwimmbecken, die mit lauwarmem Thermalwasser gefuellt sind; dort unten kann man sehr idyllisch in einer Bambushuette uebernachten (s. Foto).

Der Aufstieg am folgenden Tag ist recht anstrengend, allerdings wird als Alternative zur eigenen Beinarbeit ein Ritt auf einem Esel angeboten - da konnte ich nicht wiederstehen und habe dieses Angebot angenommen, ich habe es auch nicht bereut, diese Tiere sind wirklich unglaublich stark und trittsicher und der Weg zieht sich doch ganz schoen…

Insgesamt war es ein gelungenes und - zumindest intellektuell - erholsames Wochenende, unbedingt zur Nachahmung emfohlen!!

Ladrones

Tuesday, January 16th, 2007

 - (Einbrecher) waren in unserem Haus in Curahuasi, leider. Vergangene Nacht sind die beiden nagelneuen, noch nicht installierten Durchlauferhitzer weggekommen sowie eine Kabelrolle; nach dem was mir von einer Kollegin in Curahuasi mitgeteilt wurde, ist das alles, aber immerhin ein Schaden im Wert von ca. 1000 Sol (ca. 250 Euro). Offensichtlich hatten die Einbrecher einen Schluessel, zumindest sind weder Tueren noch Fenster aufgebrochen gewesen. Rueckblickend gibt es verschiedene Leute, die vielleicht mal einen Schluessel haben nachmachen lassen koennen. Schlimmer noch als den materiellen Verlust finde ich den Vertrauensverlust, den dies bedeutet - immerhin ist Curahuasi nicht mit einer Grossstadt vergleichbar, dort kennt jeder jeden und wir “Gringos” sind sowieso bekannt wie bunte Hunde und es ist zu vermuten, dass die Einbrecher zu den Leuten gehoeren, die mal fuer uns im Haus gearbeitet haben.

Die naechste Aktion wird also sein, das Tuerschloss auszutauschen und Gitter an die Fenster anbringen zu lassen. Und neue “Rapiduchas” zu besorgen, aber besser erst, wenn dann tatsaechlich jemand von uns in dem Haus wohnt.  

Arequipa

Sunday, January 14th, 2007

endlich habe ich den Absprung geschafft von Curahuasi, die Renovierungsarbeiten in unserem Haus sind weitgehend abgeschlossen und ich kann mich jetzt dem Sprachstudium widmen. Um das Angenehme mit dem Nuetzlichen zu verbinden, habe ich beschlossen den Kurs in Arequipa zu machen. Zum einen gibt es hier eine Sprachschule, von der ich viel Gutes gehoert habe, zum anderen ist Areqipa eine sehr attraktive Stadt - hier ein Abschnitt aus meinem Reisefuerer (leicht modifiziert):

Arequipa ist nach Lima mit ca. 900.000 Einwohnern die zweitgroesste Stadt Perus, liegt auf 2.3oo m Hoehe am Fusse des wunderschoenen Vulkans Misti (5821 m) und des immer schneebedeckten 6075 m hoehen Nevado Chachani (Fotos folgen demnaechst). Nur 75 km von der Kueste enfernt herrscht das ganze Jahr mildes sonniges Wetter, daher wird Arequipa auch die “Stadt des ewigen Fruehlings” genannt. Viele halten Arequipa fuer die schoenste Stadt Perus, sie ist ueberwiegend aus hellem Sillargestein erbaut (der Name “weisse Stadt” leitet sich aber wohl nicht hiervon ab, sondern von der lange Zeit rein weissen Bevoelkerung - das farbige Personal musste frueher in den Abendstunden die Stadt verlassen).

Vorgestern bin ich also mit dem Taxi nach Cusco gefahren und dann mit dem Nachtbus weiter nach Arequipa (auf diese Weise konnte ich mir eine Hoteluebernachtung sparen - da bin ich dann mal wieder ganz Schwaebin). In Arequipa hatte ich mir telefonisch vorab ein Hotel fuer die erste Nacht reserviert; als ich morgens um 5.30 Uhr da angekommen bin, hat mir ein kleiner “Abuelito” (Grossvaeterchen) aufgemacht. Vor Schreck ist ihm erstmal die Schlafanzugshose bis auf die Knie gerutscht, zum Glueck hatte er einen Sakko drueber, so dass uns weitere Peinlichkeiten erspart blieben.

Mittlerweile bin ich in der Sprachschule angemeldet, habe auch schon den Einstufungstest absolviert und habe mich erfolgreich nach einer guenstigeren Bleibe fuer die naechsten Wochen umgesehen (schliesslich bin ich eine arme Missionarin und gehe sehr sorgsam mit meinem Spendengeldern um): die Hospedaje “The Tourist House” gibt mir fuer umgerechnet 2 Euro am Tag ein recht grosses Zimmer, es gibt ein ordentliches Gemeinschaftsbad mit heisser Dusche und eine Kochmoeglichkeit, so dass ich mich zwischendurch auch schon mal selbst verpflegen kann. Die Zimmer liegen in einem Innenhof, so dass es nachts relativ ruhig sein sollte, sicher schien es mir auch und der naechste kleine Laden, wo man ein paar Lebensmittel kaufen kann, ist direkt gegenueber.

(ich hoffe ich habe jetzt allen geneigten Lesern Lust gemacht, auch mal hier in Arequipa einen Sprachkurs zu besuchen und bei der Gelegenheit natuerlich auch einen Abstecher nach Cusco und vor allem Curahuasi zu machen!)

 

so niedlich, alles hier…

Tuesday, January 2nd, 2007

die Peruaner und ihre Verniedlichungen - dagegen wird jeder Schweizer blass (wo doch dort auch alles “a chli” ist…). Z.B. koennte sich ein Gespraech hier so anhoeren:
“Mamacita, una preguntita, adondecita esta la casita de la Senora Carmen?” “Acacito, Papacito, en este ladito…”
(”Muetterchen, ein Fraeglein, wo-chen ist das Haeuschen der Senora Carmen?” “Hierchen, Vaeterchen, auf diesem Seitchen”)
Lustigerweise sprechen sogar Eltern ihre Kinder mit “Mamacita” oder “Papacito”, also “Muetterchen” oder “Vaeterchen” an. Und auch ich komme endlich mal in den Genuss, staendig mit “Mutter” angesprochen zu werden…