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Tupananchiskama!

November 20th, 2008

heisst „auf Wiedersehen“ auf Quetchua, und damit verabschiede ich mich einerseits von Peru, wo ich die letzten zwei Jahre verbracht habe. Eventuell werde ich irgendwann noch einmal im Diospi Suyana Krankenhaus mitarbeiten, zumindest aber mal auf einen Besuch vorbeischauen. Andererseits verabschiede ich mich an dieser Stelle auch von den Lesern dieses Blogs, denen ich ganz herzlich danke - für ihr Interesse, für Ermutigungen in Form von Kommentaren, E-mails und Briefen, und nicht zuletzt natürlich auch auch für alle Spenden, die ich erhalten habe. Wohin es mich als nächstes verschlägt, steht noch nicht ganz fest, auf jeden Fall aber geografisch gesehen wesentlich näher zu dem Grossteil der Leser und ich freue mich jetzt schon auf ein baldiges Wiedersehen “live und in Farbe” mit vielen!

Marañon und Ucuyali

November 19th, 2008

heissen die beiden Flüsse, die sich im Nordosten Perus zum Amazonas vereinigen. Nachdem ich den grössten Teil der vergangenen zwei Jahre in der „Sierra“, dem Berland auf einer Höhe von fast 3000 m über dem Meeresspiegel verbracht habe, und gelegentlich überwiegend beruflich bedingte Abstecher in die „Costa“ (Küstenregion) gemacht habe, hatte ich jetzt die Gelegenheit, dorthin zu reisen und so auch noch die dritte der drei unterschiedlichen Regionen des Landes, die „Selva“ (Regenwald), kennenzulernen.                                                        Nach der zum Ende der Trockenzeit recht staubigen Landschaft um Curahuasi und dem Bergklima mit trockener Luft, kühlen Nächten und mittags stechender Sonne, war es ein eindrucksvoller Wechsel in das feuchtwarme Klima des Amazonasgebiets, mit unzähligen Wassserläufen, an dessen Ufern überbordendem Grün wuchert. Die Indigenas dort – ein ganz anderer Stamm als die Quetchua , die den Grossteil der Bevölkerung in der Sierra ausmachen – wirkten sehr entspannt; ein Besuch in einem am Flussufer gelegenen Dorf erweckt fast den Eindruck einen kleinen Paradieses – vor allen Hütten sind Hängematten zu sehen, lachende Kinder flitzen in Banden durch die Gegend, oder machen gemeinsam mit ihren Klassenkameraden unter Aufsicht der Lehrerin in der Schule ihre Hausaufgaben. Die Ernährung besteht überwiegend aus Bananen, Reis und Fisch und es scheinen kaum mal Engpässe aufzutreten. Eine medizinische Grundversorgung scheint auch gewährleistet zu sein, und für ernstere Fälle gibt es in der nächst grösseren Stadt Iquitos Krankenhäuser - wer also mit dem einfachen Leben zufrieden ist, kann das wahrscheinlich hier finden. Anders schaut es natürlich aus mit dem Kontakt zur Aussenwelt, Berufsperspektiven oder Luxusgütern - wobei sich anscheinend auch da einiges tut, viele Dörfer sind bereits zumindest stundenweise mit Strom versorgt, was natürlich wiederum oftmals Voraussetzung für Information und Kommunikation ist.                         Ebenfalls recht entspannt scheint die Tierwelt dort zu sein – nicht nur haben sich sehr viele Vögel und auch ein paar Affen von uns sehen lassen, wir hatten Gelegenheit, mal eine kleine Boa Constrictor auf den Arm zu nehmen (fühlt sich toll an, ehrlich!) sowie mit Flussdelfinen, Piranhas und Kaimane zu schwimmen – na ja mit letzteren beiden nicht direkt Seite an Seite, wobei man sich angesichts des doch recht trüben Flusswassers auch wiederum nicht ganz sicher sein kann. Fakt ist jedenfalls, dass wir geschwommen sind – der Führer hat uns nicht nur versichert, dass das ohne Risiko möglich ist, er ist auch mit ins Wasser gekommen, was mein Vertrauen in seine Worte doch erheblich bestärkt hat. Etwas später haben wir dann unweit davon Piranhas geangelt (und später verspeist) und nachts – wir hatten für eine Nacht ein Campinglager im Dschungel aufgeschlagen -  ein paar Kaimane gesehen. Die einzigen, die uns gebissen haben, waren ein paar Moskitos, aber auch nicht allzu viele (und die Malaria ist in Peru kein echtes Problem, sie kommt selten vor und die Stämme sind bislang offensichtlich nicht resistent). Es war also eine eindrucksvolle Zeit und ein perfekter Abschluss für zwei Jahre „Röntgen in Peru“! 

Essen ist schoen (II)

October 28th, 2008

und gehoert daher bei vermutlich allen Kulturen bei allen moeglichen sozialen Anlaessen dazu, egal ob freudige Ereignisse wie Geburten oder Hochzeiten gefeiert werden, oder eher traurige wie z.B. Abschiede oder Beerdigungen. Angesichts meines persoenlichen bevorstehenden Abschieds von Curahuasi und dem Diospi Suyana-Krankenhaus mache ich seit vergangener Woche geradezu einen Marathon an Essenseinladungen durch, nicht fehlen konnte dabei natuerlich auch eine Einladung zum “Cuy” (Meerschweinchen) - das in diesem Fall tatsaechlich sehr lecker zubereitet war, so dass es mich keine grosse Muehe gekostet hat, es zu verspeisen. Allerdings bin aber auch gar nicht sehr traurig, dass die uebrigen Essen sich eher in einem Bereich bewegen, der meiner Ursprungskultur nahesteht.

Damit ist es also raus: meine Zeit hier und somit auch der Blog vom “Roentgen in Peru” geht mit grossen Schritten dem Ende entgegen. Meine Arbeit wird von einem einheimischen Kollegen aus Cusco weitergefuehrt (s. Beitrag “Teleradiologie”) und auch wenn meine hiesigen Kollegen hoeflicherweise immer wieder ihr Bedauern darueber ausdruecken, dass sie demnaechst ohne mich klar kommen muessen, bin ich ueberzeugt, dass auch Peruaner sehr gute Radiologie machen und der Schaden, den das Krankenhaus durch den Verlust meiner Person erleidet, sich im Rahmen haelt.

Fuer mich war es rueckblickend eine sehr erlebnisreiche Zeit (was sich hoffentlich auch in diesem Blog wiedergespiegelt hat), mit durchaus der ein oder anderen Herausforderung. Gelernt habe ich auf jeden Fall sehr viel und nicht zuletzt ein paar sehr tolle Menschen kennengelernt, die ich hoffentlich auch ueber groessere raeumliche Entfernungen nicht ganz aus den Augen verlieren werde; ich bereue es also keinen Moment, dieses Abenteuer gewagt zu haben, fuer zwei Jahre zum “Roentgen nach Peru” zu gehen. Und wer weiss, vielleicht verschlaegt es mich ja in ein paar Jahren nochmal fuer eine Zeit hierher!

Teleradiologie

October 28th, 2008

heisst es, wenn der Radiologe nicht vor Ort ist, wo die Roentgenuntersuchung durchgefuehrt wird, sondern an einem weiter entfernten Ort die Aufnahmen auswertet und die Befunde dem zuweisenden Kollegen zurueckschickt. Angesichts der weltweiten Verknappung nicht nur von Energiereserven und Trinkwasser, sondern auch von Radiologen, eine sehr sinnvolle Einrichtung, die nicht zuletzt auch einen erheblichen wirtschaflichen Vorteil bietet fuer das Krankenhaus, das mit diesem System arbeitet - der Experte (Radiologe) muss naemlich auf diese Weise nur fuer genau die geleistete Arbeit bezahlt werden und nicht fuer Stunden, in denen er eventuell mal Leerlauf hat. Dieses System setzt sich daher zunehmend durch; wie ich gehoert habe gibt es z.B. in den USA nicht wenige Klinken, die ihre nachts durchgefuehrten Computertomografien via Internet nach Indien verschicken, wo sie befundet und die Ergebnisse auf dem gleichen Wege zum Anforderer zurueckgeschickt werden.

Fuer unser Krankenhaus in den Anden habe ich aehnliche Ziele im Sinn; allerdings haben wir hier das Problem, dass nicht ausreichend schnelle Internetverbindungen bestehen, um die doch erheblichen Datenmengen eines Roentgenbildes oder sogar einer Computertomografie zu verschicken. Aber auch dafuer gibt es eine Loesung: unsere Aufnahmen reisen nicht durch ein Kabel, sondern im Taxi auf der Strasse, und sind auf diesem Weg auch in ca. 2 Stunden in Cusco, wo ein Radiologe innerhalb kuerzester Zeit die Befunde schreibt und diese - ebenfalls im Taxi - wieder zurueck nach Curahuasi schickt. Die Methode hat sich schon mehrfach in den letzten Monaten waehrend meiner kuerzeren Abwesenheiten bewaehrt und wird das hoffentlich auch in Zukunft weiterhin tun.

Leichen

October 25th, 2008

kleben in letzter Zeit wieder vermehrt an der Decke und den Wänden meines Schlafzimmers, von den Stechmücken, die ich nächtens erschlage. Bekanntlich fast schlimmer als ihre Stich ist das hochfrequente Summen, mit dem sie ihren Angriffsflug untermalen und der einem ohne weiteres mehrere schlaflose Stunden bereiten kann. Dann hilft nur eines: immer wieder Licht anschalten, Decke und Wände nach den Plagegeistern absuchen und versuchen, sie zu erschlagen - was bei mitternächtlich reduzierter Feinmotorik nicht ganz einfach ist, zumal diese Biester, das scheint meine persönliche Beobachtung zu belegen, sehr schnell beschleunigen solange sie noch nüchtern sind. Vollgefressen sind sie eindeutig langsamer und somit einfacher zu kriegen, hinterlassen dann aber einen unschönen Blutfleck am Ort ihres Verscheidens; ausserdem kommt die Rache in diesen Fällen zu spät, aber ich tröste mich damit, dass wenigstens genau diese Stechmücke mich nicht nochmal anzapfen wird. Dankenswerterweise sind mir hier keine Krankheiten bekannt, die von Stechmücken übertragen würden - und zumindest für Malaria sind wir auf fast 3000 m bei weitem zu hoch.

Das vermehrte Aufkommen von Stechmücken ist aber nicht das einzige Anzeichen der einsetzenden Regenzeit - immer häufiger erleben wir die hier üblichen heftigen Regenguüse, die dafür aber wenigstens fast ausschliesslich nachts stattfinden; gestern, habe ich mir sagen lassen, hat es in Curahuasi sogar gehagelt, ein extrem seltenes Phänomen hier; auf einer Höhe von ca. 2.700m liegen wir zu tief, als dass der Hagel liegengeblieben wäre, und als ich am frühen Abend von meinem Wochenendausflug nach Cusco heimgekommen bin, war davon schon nichts mehr zu sehen.

Essen ist schoen

October 8th, 2008

darueber sind sich wahrscheinlich die Mehrheit aller Lebewesen einig. Dass weniger manchmal mehr ist, diese Erkenntnis hat sich vor allem in den Ueberflussregionen der Welt durchgesetzt, gemeinsam mit dem Schoenheitsideal des Schlankseins, das als solches in Hungergebieten kaum bekannt ist. Waehrend also in der “1. Welt” eine ganze Industrie davon lebt, Nahrungmittel herzustellen, die man essen kann, ohne wirklich etwas zu sich zu nehmen (es wird selbst nach meiner etwas veralteten Erfahrung zunehmend schwieriger, in den Kuehlregalen der Supermaerkte “Nicht-Light”-Produkte zu finden) - ist die Situation hier in Peru, zumindest in der armen Bergregion, noch eine andere, es heisst eher “zugreifen, solange es noch etwas gibt”.

In bestimmten Situationen ist allerdings auch hier ist der voruebergehende Verzicht auf Nahrung medizinisch indiziert, so zum Beispiel vor einer Magenspiegelung - der Arzt moechte sich schliesslich mit seinem Endoskop gerne die Magenwand anschauen und nicht die Reste der vorangegangenen Mahlzeit. Eine Patientin, die sich zur Vorbereitung auf eine solche Untersuchung stationaer befand, war natuerlich offiziell auf Karenz gesetzt; im Anschluss an den gescheiterten Versuch einer Magenspiegelung mussten ihre Verwandten dann zerknirscht zugeben, dass sie ihr doch heimlich etwas zugesteckt hatten - man kann sich hier einfach schlecht vorstellen, dass es fuer einen bereits kranken Menschen gut sein soll, wenn er nicht wenigstens zu Essen bekommt.

Ein aehliches Erlebnis hatte eine unserer Krankenschwestern neulich, als sie frueh morgens einen Patienten aufnahm, der natuerlich nuechtern zu seiner Operation am selben Tag einbestellt war. Auf die Routinefrage, ob er etwas gegessen habe - auf die natuerlich die Antwort “Nein” erfolgen sollte - gab dieser Herr zu, ja, er habe gefruehstueck. Warum denn das, wollte die Schwester wissen. Er habe gehoert, antwortete er darauf, in unserem Krankenhaus bekaemen die Patienten haeufiger mal nichts zu essen, da habe er wenigstens vor seinem Eintritt nochmal richtig fruehstuecken wollen…

Lost in Migration

September 1st, 2008

Waren wir zwei Tage lang in der vergangenen Woche. Montag morgen war die gesamte Mannschaft der Neuankömmlinge – inklusive der Kinder, die einem bei peruanischen Ämtern durchaus Vorteile durch bevorzugte Bedienung verschaffen können – bei Interpol, dort sind jedem der Bewerber um eine peruanische ID-Karte neben Fotos fontal und im Profil der Zahnstatus und Abdrücke jedes einzelnen Fingers abgenommen worden, ausserdem weitere persönliche Daten wie Grösse, Gewicht, Familienstand, Augenfarbe, Religionszugehörigkeit etc etc.  Mittwoch, (den Dienstag hatte ich genutzt, um die erforderlichen Unterlagen für die Lizenzierung der Röntgenabteilung einzureichen) waren wir auf „Migraciones“, der Einwandererbehörde. Damit keine Langeweile aufkommt – immerhin sind wir Pionier-Missionare und defintionsgemäss abenteuerlustig – haben wir diesen Behördengang nicht auf irgendeinen durchschnittlichen Tag gelegt, sondern genau auf den einen Tag, an dem alle Computersysteme in dieser Behörde umgestellt und erneuert wurden. Bekanntlich ist die Umstellung eines Computersystems immer mit einem gewissen Risiko verbunden, und der Zeitgewinn, der durch die Umstellung entsteht, ist zumindest in der ersten Zeit rein virutell. Als wir also an besagtem Mittwoch an der Behörde ankamen, sah es zunächst so aus, als ob sie komplett geschlossen bleiben würde; das hat sich aber dann zum Glück als falsch herausgestellt, und so konnten wir die ersten Kontakte der Mitarbeiter dieser Behörde mit ihrer neuen Software „live und in Farbe“ miterleben. Sehr froh hat es einen unserer Kollegen z.B. gestimmt, als gerade eine Seite im Computer mühsam mit allen seinen Daten gefüttert worden war und der Angestellte daraufhin, in der Absicht, diese zu speichern, das kleine Kreuzchen rechts oben im Rahmen des Fensters geklickt hat… („Fenster schliessen“, d.h. alle soeben eingegebenen und eben noch nicht gespeicherten Daten waren gelöscht und der Prozess musste von vorne begonnen werden).

Entgegen der ursprünglich angenommenen ca.2 Stunde waren wir etwa 6 Stunden auf diesem Amt, immerhin eine von drei Personen hatte dann ihr „Carnet“ korrekt; ein weiteres musste am folgenden Tag zur Korrektur zurückgebracht werden und für das dritte haben wir am Donnerstag nochmals ca. 31/2 Stunden dort verbracht. Aber wir haben es trotzdem noch rechtzeitig zum Flughafen zu unserem Flug nach Cusco geschafft, und somit waren wir äusserst zufrieden.  Eine der wichtigsten Eigenschaften für Pioniermissionare scheint neben der Abenteuerlust eben immer wieder die Geduld zu sein.

Koffer-Hoffer

August 31st, 2008

waren wir vor einigen Tagen, und die Hoffnung glücklicherweise ist nicht enttäuscht worden. Ich war mal wieder in Lima, in erster Linie, um neue Mitarbeiter abzuholen und mit ihnen die Einreiseformalitäten zu erledigen, aber auch, um nebenher noch diverse Einkaufe und Ämterbesuche für das Krankenhaus zu tätigen. Unter den insgesamt sieben Neuankömmlingen waren auch Daniel, unser zukünftiger Chirurg und seine Frau Melanie, ihres Zeichens Internistin mit viel Ultraschall-Erfahrung, und ihre zwei Kindern im Alter von 11 Monaten und 3 Jahren. Leider ist dieser Familie gleich in den ersten Minuten nach ihrer Ankunft ihr Notebook abhanden gekommen: kaum waren sie, nach der langen Reise müde und natürlich etwas unorientiert an dem fremden Flughafen, aus dem Ankunftsbereich herausgekommen, haben sich schon zwei sehr hilfsbereite Herren in Uniform ihrer angenommen, und waren ihnen mit ihren ca. 160kg Gepäck behilflich; sie haben unseren Kollegen erklärt, dass es unumgänglich wäre, das Gepäck auf andere Wagen umzuladen, ausserdem müsste sich der ganze Trupp an das andere Ende der Wartehalle bewegen. Was sich vor allem bei dieser Transaktion wegbewegt hat, war ihr Notebook, das natürlich in einer typischen Notebook-Tasche oben auf den Gepäckwagen gelegen hatte… Glücklicherweise handelte es sich wenigstens nicht um ein neues, sondern ein mehrere Jahre altes Gerät, das nun den Besitzer gewechselt hat, und laut der ehemaligen Eigentümer, die bewundernswert entspannt geblieben sind, als sie den Verlust bemerkten, besteht der Hauptverlust in den Daten. Von diesen gäbe es aber eine Sicherungskopie in einem ihrer Koffer. Ausgerechnet dieser eine Koffer war aber derjenige, der von ihren 8 Gepäckstücken nicht angekommen war!Überhaupt kein Problem, meinten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft, er kommt auf jeden Fall in den nächsten 24 Stunden an und wird Ihnen dann gebracht.   Blieb uns also nichts als zu hoffen (und beten) -  und tatsächlich,schon zwei Tage später ist er an unserem Gästehaus abgeliefert worden, war zwar offensichtlich geöffnet worden, aber intakt und mitsamt den gesicherten Daten und noch einigen andren sehr wichtigen Inhalten, wie dem Lieblingsbilderbuch der 3jährigen Elisa.                           Mittlerweile haben sie Ersatz für das „verlorene“ Notebook erstanden, das im Vergleich zu seinem etwas veralteten Vorgänger einige attraktive neue Features bietet, wie eine eingebaute Kamera und ein CD-Schreib-Laufwerk; es gibt auch schon heimliche Verdächtigungen, dass Daniel sein altes Notebook schnell auf dem Flughafen einem Fremden in die Hand gedrückt hat, um so die Neuanschaffung zu rechtfertigen…

Unsere Nachbarn

August 10th, 2008

sind alles Einheimische. Es war von Anfang an so vorgesehen, dass wir ausländischen Mitarbeiter nicht ein Ghetto um das Krankenhaus herum bilden, wie das in manchen anderen Projekten der Fall ist, sondern uns ein Haus im Städtchen beziehen und uns so unter die Bevölkerung mischen. Meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Beitrag dazu, die Vorurteile über einander auf beiden Seiten abzubauen.                       Eine unserer direkt benachbarten Familien habe ich erstmals näher kennengelernt, als ich eines Abends schreckliches Geschrei aus ihrem Haus hörte. Es wollte nicht enden, so dass ich schliesslich hinging, um zu sehen, ob ich irgendwie helfen oder ev. auch eingreifen müsste; die Rate an familiärer Gewalt ist hier extrem hoch und immer wieder sehen wir Frauen mit blau geschlagenen Gesichtern im Krankenhaus. Valentina und ihre Tochter Mille standen, als ich ankam, weinend im Eingang, Valentina mit blutigen Kratzern im Gesicht. Ihr Mann war mal wieder betrunken von der Chakra (Acker) heimgekommen, und als Mille aus lauter Angst vor ihm ihr Abendessen nicht anrühren konnte, ist er ausgerastet und hat seine Frau angegriffen. Laut anderer Nachbarn war das absolut nicht das erste Mal (mittlerweile hatten sich einige Schaulustige versammelt), einmal hätte er sie sogar mit einem Elektrokabel gewürgt - und wahrscheinlich fast umgebracht.   Aus meiner Perspektive ist es schwer zu verstehen, warum solche Frauen sich nicht trennen; aber sich alleinerziehend in diesem Land durchzuschlagen, ohne einen Mann, der einen eventuell gegenüber Fremden beschützt, ohne Ausbildung und ohne Arbeit, ist wahrscheinlich die schlechtere Version.                                                                                           Vor ein paar Wochen konnte Valentina schliesslich einen Job im Krankenhaus bekommen: sie arbeitet vormittags auf der Station mit, teil Essen aus und sammelt hinterher die Tabletts wieder ein, hält die Stationsküche in Ordnung und erledigt sonstige Arbeiten, um die Krankenschwestern zu entlasten. Dadurch kann sie ein regelmässiges Gehalt von ca. 50 € im Monat heimbringen. Die Veränderungen, die wir seither bei der Familie beobachten konnten, sind fast unglaublich: seit langem hat man keine lauten Stimmen mehr von nebenan gehört, der anfangs sehr abweisende Mann grüsst uns nun freundlich, hat sich oft für die Stelle bedankt, die seine Frau nun hat, die Tochter bekommt nun regelmässig Mittagessen, das ihr wohl der Vater kocht! Und Valentina strahlt richtig, wenn sie in ihrer weissen Arbeitskleidung den Essenswagen durch die Flure schiebt.                                            Ehrlich gesagt hatte ich anfangs etwas Sorge gehabt, wie es sich wohl auf ihre Familienstruktur auswirken würde, wenn plötzlich die Frau mehr Geld nach Hause bringt als ihr Mann - vermutlich hätte das auch “nach hinten losgehen” können, wenn er sich in seinem Stolz gekränkt gefühlt hätte und ihr aus Rache das Leben zuhause umso schwerer gemacht hätte.  Aber offensichtlich ist es in dem Fall gut gegangen! 

Kontrastmittel

August 10th, 2008

im Röntgen ist eine relativ strahlendichte Substanz, die dem Patienten je nach Fragestellung in die Blutgefässe gespritzt oder fast jede andere mögliche natürliche oder unnatürliche Körperöffnung appliziert wird, um bei den anschliessend angefertigten Aufnahmen eine höhere Aussagekraft zu erzielen (klingt vielleicht schlimmer als es ist, in der Regel bemerkt der Patient kaum etwas davon). Sehr häufig wird das bei Computertomographien angewandt, hier wird typischerweise eine jodhaltige Lösung in die Venen gespritzt; dabei ist es zum Teil sehr wichtig, dass die richtige Flussgeschwindigkeit für das Kontrastmittel (KM) erzielt wird und die anschliessende Untersuchung fast auf die Sekunde genau im richten Moment danach gestartet wird.                 Bislang haben wir das KM immer - nach Missionsspital-Art - von Hand gespritzt; seit wenigen Tagen ist nun aber endlich der Injektor in Betrieb, den uns die Firma Ulrich medicals - zusammen mit einem grossen Karton von zugehörigem Verbrauchsmaterial - gespendet hat (s. Foto). Da aufgrund von Personalmangel häufig nur ein einzelner Mitarbeiter am CT tätig ist, bedeutet das eine enorme Arbeitserleichterung für uns - die Zeiten, in denen ich an der Konsole im Bedienraum die Untersuchung eingestellt habe, dann dem Patienten von Hand das KM gespritzt habe und dann wieder rausgespurtet bin, um rechtzeitig die “Start”-Taste zu drücken, sind endlich vorbei. Und abgesehen davon  können wir nun einige zusätzliche relevante Untersuchungsprotokolle anwenden, die ohne so einen Injektor nicht  durchführbar sind.  Herzlichen Dank also an die Firma Ulrich medicals für ihre Unterstützung!